Hausboot
In der Ruhe liegt der Urlaubs-Spaß
In Loosdrecht (zwischen Utrecht und Amsterdam) sehen wir unsere "Penichette Flying Bridge" zum ersten Mal. Dieses Schiff - ein Boot für sechs Personen - nötigt uns Respekt ab: 15 Meter lang und breit wie ein Dickschiff. Wie soll dieses Gefährt in den schmalen Kanälen und Flüsschen bloß manövriert werden?
Der Chef der Locaboat-Basis beruhigt uns: "Starke Maschine, Bugstrahlruder - was soll da schon passieren?" Immerhin: An der Scheuerleiste rund ums Schiff sind in kurzen Abständen sicherheitshalber viele Fender befestigt, die im Eventualfall auch mal einen unsanften Rempler an der Kaimauer abfedern. Aber: Gelassenheit und ruhiges Reisen sind ohnehin die Devise für solche Urlaubsfahrten.
Für fünf Tage haben wir die "Penichette" gebucht und wollen in dieser Zeit gern Richtung Süden nach Utrecht und danach in die entgegengesetzte Richtung nach Amsterdam fahren. Mit dem sicheren Gefühl, mit unserem Skipper Erwin einen erfahrenen Freizeitkapitän an Bord zu haben, starten wir. Das Schiff bietet uns ein fast komfortables Zuhause. Das Motorboot beherbergt immerhin drei Schlafkabinen mit je einem Bad, eine Küche mit allem Schnickschnack, einen großen Salon und ein Sonnendeck auf dem Achterschiff. Das Leben an Bord gestaltet sich selbst mit sechs Personen kaum anders als in einer Ferienwohnung. Der große Kühlschrank hält jederzeit kühle Getränke und Lebensmittel bereit und das riesige Frischwasser-Reservoir von 1000 Litern erlaubt auch bei einer Sechs-Personen-Crew regelmäßiges Duschen. Der Salon und das Sonnendeck bieten perfekte Voraussetzungen für gemütliche Abende.
Die Reise mit einem solchen Schiff bietet gerade in Holland ganz neue Einblicke in die Lebensart in unserem Nachbarland. Auf kleinen Kanälen und Flüssen gleitet man beschaulich (maximal zwölf km/h sind erlaubt) an den Grundstücken der größtenteils kleinen und sehr gepflegten Häuschen vorbei. Zwischendurch gibt es dann immer wieder scheinbar unberührte Natur. Auch der extrem leise laufende Motor des Schiffs stört die Idylle nicht.
Hin und wieder gibt es Liegeplätze längsseits am Ufer. Gewöhnen muss man sich allerdings an die streckenweise vielen Schleusen und Brücken. Oft ist ein kurzer Zwischenstopp erforderlich bevor sich Brücke oder Schleuse öffnet. Dann sollte ein Crewmitglied auch immer einen Euro bereithalten, der dann beim Durchfahren in einen zum Boot gereichten "Klingelbeutel" geworfen wird. Manchmal ist aber auch ein Telefonanruf nötig, bevor eine Brücke von einer fernen Zentrale automatisch geöffnet wird.
Wer an solch einem Urlaubs-Abenteuer Gefallen finden könnte, allerdings keine seemännischen Kenntnisse vorweisen kann, sei beruhigt. Wie auf vielen anderen europäischen Gewässern dürfen auch in Holland die meisten Strecken ohne Sportbootführerschein befahren werden. Nur eine einstündige Einweisung vor der Abfahrt ist nötig, um die wichtigsten Manöver unfallfrei fahren zu können.
