Flüsse im Landkreis Harburg

Die Wümme ist eine Oase der Ruhe

Die Wümme bietet auf 150 Kilometern eine enorm große Vielfalt

Haben Sie sich auch schon gefragt, warum im Logo dieser Serie ein Fischotter zu sehen ist? Nun, an der Holmer Mühle, die den Hintergrund des Logos ziert, ist er wohl nicht anzutreffen. An der Wümme dagegen kann man den nachtaktiven Nager mit Glück sogar am Tag beobachten - und das nicht nur in den versteckten Niederungen der Gemeinde Königsmoor. Kurz vor der Kreisgrenze, wo der Fluß von der B 75 überquert wird, bevor er im Kreis Soltau-Fallingbostel "verschwindet", staut ein Otter-Bau die Wümme an einer Stelle, die sogar von der Bundesstraße aus einzusehen ist - und mithin nicht gerade in einer Oase der Ruhe liegt. Doch ebenso wie ihre possierlichen Bewohner hat es auch die Wümme in ihrer Heimat nicht leicht: Bevor sie soweit ist, daß sie auch großen Flußtieren eine Heimat bieten kann, muß sie ganz schön "kämpfen". Zwar verfügt sie über Quellen in der Nähe von Niederhaverbeck im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, doch irgendwer "klaut" ihr dieses Wasser, und der Fluß versiegt - zumindest für das Auge -, bevor er bei Wintermoor wieder auftaucht. "Möglicherweise lutschen die vielen Moore in der Gegend das Wasser weg", vermutet der Tostedter Gewässerbiologe Ludwig Tent. Tatsächlich ist der Verlauf der Wümme im Landkreis Harburg stark geprägt von den moorigen Niederungen, die die eiszeitlichen Schmelzwasser hinterlassen haben. Als einer der wenigen Flüsse unserer Gegend überflutet die Wümme ihr Einzugsgebiet noch regelmäßig - wie im vergangenen Winter gut zu beobachten war. Doch außer, daß sie mit ihren rund 150 Kilometern Länge in eine andere Kategorie gehört als die nur etwa ein Drittel so langen Flüsse Este und Luhe, weist die Wümme noch andere Besonderheiten auf: Der Fluß ist relativ flach, und das Wasser hat aufgrund der geringen Neigung eine vergleichsweise niedrige Fließgeschwindigkeit. Das führt im übrigen dazu, daß die Wümme in strengen Wintern auch schon mal zufriert. Außerdem gehört sie trotz der Lage ihrer Quellen weniger zur Lüneburger Heide als vielmehr zur Stader Geest, was nicht zuletzt dadurch deutlich wird, daß sie nicht - wie Este, Seeve und Luhe - die Elbe als Ziel anstrebt, sondern in die Lesum und dann in die Weser mündet. In Sachen Flora und Fauna hat die Wümme ein hochinteressantes Angebot: Die äußerst seltenen Schachbrettblumen, Meerforellen, Zander und diverse Amphibien sorgen unter anderem dafür, daß nahezu das gesamte Einzugsgebiet des Flusses unter Naturschutz gestellt worden ist. Und dann ist da natürlich noch der Fisch- otter, der nicht nur unser Logo ziert.

 

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Hintergrund

Die Aktion Fischotterschutz Die 1995 gegründete Edmund-Siemers-Stiftung widmet sich derzeit schwerpunktmäßig dem Projekt Este-Wümme. In einer langfristig angelegten Aktion sollen die Naturräume von Seeve, Este, Wümme und Oste zum "ökologischen Rückgrat im nördlichen Niedersachsen" entwickelt werden. In einem weiteren Schritt möchte Projektleiter Ludwig Tent die Flußsysteme von Elbe und Weser miteinander vernetzen. Am Ende soll dann der Naturzustand mit allen heimischen, für Fließgewässer typischen Pflanzen- und Tierarten wiederhergestellt werden. Ein Teil des ambitionierten Projektes ist die Aktion Fischotterschutz, zu deren Zweck bereits ein gleichnamiger Verein gegründet wurde. Da der Fischotter als Synonym für ein intaktes Gewässersystem gilt, kommen ihm und der Entwicklung seiner Lebensräume eine besondere Bedeutung zu. Wer den Fischotter unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun: Konto 2032910, Kreissparkasse Hannover, Bankleitzahl 25050299, Stichwort: "Projekt Este-Wümme".