Die Flüsse im Landkreis
"Die Luhe gehört zu Winsen"
Im Luhe-Wasser gibt es sogar jede Menge Delikatessen
Ist Ihnen eigentlich bewußt, daß viele von Ihnen den Namen eines Flusses tagtäglich spazierenfahren? "WL", das Autokennzeichen für den Landkreis Harburg, sagt aber nicht nur aus, daß der Verwaltungssitz in Winsen an der Luhe liegt, es drückt auch den Stellenwert eines Gewässers für eine ganze Region aus. "Die Luhe gehört einfach zu Winsen", sagt Bürgermeister Gustav Schröder. Es gebe zwar auch Stimmen, die die Lage der Stadt an der Elbe oder an der Ilmenau stärker betont haben wollen, doch die kann Schröder nicht nachvollziehen. "Die Luhe fließt ja mitten durch Winsen." Und nicht nur durch die Kreisstadt: Während sich quellnahe Orte wie Oldendorf und Hützel im Landkreis Soltau noch auf den versteckten Namenszusatz "an der Luhe" beschränken, tragen die Orte Luhdorf und Luhmühlen den Grund für die Entstehung ihrer Siedlung - die Wassernähe - gleich ganz im Namen. Bis ihm soviel Ehre zuteil wird, hat das Gewässer allerdings ein gutes Stück seiner 50 Kilometer langen Strecke zurückgelegt. Die ersten Spuren der Luhe tauchen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide nördlich von Bispingen auf. Nicht ganz eindeutig festzustellen ist, ob es noch einen eigenen Luhe-Oberlauf gibt, oder ob Witten-Bach und Brunau die "Kinderstube" des Flusses bilden. Auf jeden Fall ist das Quellgebiet wie bei fast allen unseren Flüssen am Fuße des Wilseder Berges zu suchen. Die Luhe wächst hinter Bispingen relativ schnell auf eine Breite von etwa zehn Metern an, verläuft dann etliche Kilometer parallel zur Kreisgrenze und tritt bei Putensen in den Landkreis Harburg ein. Auf ihrem Weg nach Winsen nimmt sie diverse Nebenflüsse auf, wobei Lopau, Aubach und Nordbach als die wichtigsten angesehen werden können. Ein interessantes Projekt betreibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Osterbach, einem Nebengewässer des Nordbachs. Neue Bachschleifen, die Zurücksetzung von Zäunen, Entrohrungs-Maßnahmen und die Umgehung von Fisch- teichen sollen dort für eine Renaturierung sorgen. "Es kommt nicht nur auf die großen Flußläufe an", begründet Ingo Wolde das Engagement für diese kleine "Kinderstube". Unter 04181/39393 gibt der BUND-Mann weitere Auskünfte. Auch Führungen in dem Gebiet und an der Este werden für Gruppen ab drei Personen angeboten. Doch zurück zur Luhe: Nachdem sie die Mühle von Luhmühlen und die Forellenteiche des Guts Schnede hinter sich gelassen hat, tritt sie bei Vierhöfen von der Geest in die Elbmarsch ein. Auf diesem Weg teilt sich der Fluß mehrmals - unterhalb von Luhmühlen und auch kurz hinter Bahlburg zweigt jeweils ein kanalartiger Arm ab. Das gleiche Schicksal ereilt die Luhe in Winsen - wobei den Worten des Bürgermeisters gemäß beide Arme mitten durch die Stadt fließen. Einmal im Verwaltungszentrum angelangt, hält die Luhe dem Landkreis bis zur Mündung in die Ilmenau bei Stöckte die Treue. Zwar wird das ansonsten weitestgehend nur mäßig belastete Wasser etwas schlechter, je näher die Elbe rückt, doch von dorther nähert sich auch ein guter Bekannter: der Stint. Er sucht den Weg in die Luhe, um seinen Laich abzulegen. Naturfreunde bemühen sich sogar um die Ansiedlung einer weiteren Delikatesse: Der Lachs soll in der Luhe wieder heimisch werden. Dann fehlen eigentlich nur noch die Bären - aber die müßten dann auch mindestens im Autokennzeichen auftauchen... SERVICE: Per Kanu auf Entdeckungstour Die Luhe ist - ebenso wie Seeve und Este - ein Paradies für Kanu-Fahrer. Wer mehr am Paddeln und an der Natur interessiert ist, fährt flußabwärts. Wichtigste Einsetzpunkte für die Boote sind an der Este Hollenstedt (die Reise geht bis nach Buxtehude), für die Seeve Lüllau (bis zur Horster Mühle) und für die Luhe Luhmühlen (bis nach Luhdorf). Es gibt diverse Kanuverleiher, viele liefern die Boote zur Einsetzstelle und holen sie am Zielort wieder ab.
