Flüsse im Landkreis Harburg
Wo der Eisvogel Beute macht
Die Este kommt aus einem Naturschutzgebiet und fließt in ein anderes
Auf der Suche nach Besonderheiten der Flüsse im Landkreis Harburg wird man bei der Este schnell fündig: Sie ist das Eldorado der Naturschützer und Gewässer-Visionäre. Wer diese Einschätzung allerdings allein aus der Tatsache zieht, daß der Fluß aus einem Naturschutzgebiet, der Lüneburger Heide, in ein anderes, das Mühlenberger Loch, fließt, liegt etwas falsch. Denn vor allem nachdem die Este den Kreis Harburg verlassen hat, bleibt ihr kaum noch ein menschlicher Einfluß erspart: Aufstauung in Buxtehude, Schleusen, Eindeichung, Schadstoffe aus der Elbe und als Krönung sogar ein Sperrwerk.
Auch wenn wir uns also lieber den schöneren Ecken flußaufwärts zuwenden, müssen wir mit einem Manko beginnen: Wenn die Este in der Nähe von Cordshagen an der B 3 erstmals als Teich sichtbar wird, "fehlt" ihr bereits ein gutes Stück. Ihre Quellen sind eigentlich westlich des Wilseder Bergs bei Ehrhorn zu suchen, doch sind sie praktisch versiegt. Die Wasserentnahme aus der Heide spielt hierbei sicher eine Rolle.
Obwohl der Fluß anfangs Mühe hat, sich auch als solcher zu präsentieren, gibt's schon bei Welle Bachforellen. Später kommen Äschen, Libellen, Muscheln, Sumpfschrecken und der seltene Eisvogel hinzu. "Die Este ist einer der natürlichsten Flüsse", sagt der Gewässerbiologe und Este-Experte Ludwig Tent und verweist auf den geschwungenen Verlauf.
Die Gegend um Hoinkensbüttel eignet sich gut als Ausgangspunkt für eine Wanderung entlang des Flusses bis nach Moisburg. Der ausgeschilderte "Este-Wanderweg" begleitet das Gewässer auf einem Stück seines rund 50 Kilometer langen Wegs zur Elbe und führt an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Die Mühle im malerischen Bötersheim, die monumental anmutenden Brücken am Ortseingang Hollenstedts (direkt an der Autobahn), die Fischteiche in Appelbeck und die sehenswerte Fischtreppe an der Moisburger Mühle gehören unter anderem dazu. Wem unterwegs die Füße schmerzen, der kann sich bei Frank Mille in Hollenstedt (04165/80003) ein Kanu mieten und darin weiterfahren. Indes: Allzu anstrengend und hügelig geht es naturgemäß nicht zu, denn von der Quelle bis zu Mündung fällt die Este nur 55 Meter ab.
Einen "Absturz" - zwar nicht direkt sichtbar, dafür in zweifacher Hinsicht - erlebt der Fluß hinter Buxtehude: Nachdem er erstens von der Geest in die Marsch "stürzt", erlebt er zweitens einen "Absturz", was die Wasserqualität angeht: Wurde diese bis Buxtehude vom Staatlichen Amt für Wasser und Abfall Lüneburg (StAWA) noch mit "mäßig belastet" angegeben, lautet die Einstufung für den dann gut zehn Meter breiten Fluß "kritisch belastet". Hier macht sich der Einfluß der Elbe, aber auch die Schiffbarkeit des Gewässers bemerkbar.
Daß die Gewässer einst vor allem landwirtschaftliche und weniger ökologische Bedeutung hatten, belegt Moisburgs Bürgermeister Helmut Holst mit seiner - etwas scherzhaften - Antwort auf die Frage, was die Este für den Ort bedeute: "Sie spendet Kraft für das älteste Unternehmen in Moisburg - die Mühle."
