Die Flüsse im Landkreis

Die Schöne macht sich rar

Die Schmale Aue ist vielen Landkreis-Bewohnern gar nicht bekannt

Sie ist so etwas wie die "unbekannte Schöne" unter den Flüssen im Landkreis Harburg: die Schmale Aue. Ob es daran liegt, daß sie die meisten Orte - von Hanstedt einmal abgesehen - elegant umfließt, anstatt sich mitten hindurch zu drängen? Oder daß sie schon im Namen Bescheidenheit übt? Jedenfalls hat die gar nicht so schmale Aue trotz einer stattlichen Länge von rund 25 Kilometern bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad von Luhe oder Seeve.

Daß sie "nur" ein Nebenfluß ist, kann eigentlich nicht der Grund sein. Denn wenn die Schmale Aue hinter Jesteburg in die Seeve fließt, ist sie nicht minder breit als die bekanntere Schwester, und einen längeren Weg als die Seeve hat sie bis zu dieser "Vereinigung" auch schon zurückgelegt. Warum das Gewässer also nicht weiterhin Schmale Aue, sondern Seeve heißt, können selbst Experten des Landkreises nur erahnen. "Vielleicht liegt es daran, daß die Seeve mehr Wasser führt", vermutet Klaus Gogolla, Leiter der Unteren Wasserbehörde.

Schon kurz hinter ihrer Quelle bei Volkwardingen in der Lüneburger Heide tritt die Schmale Aue bei Döhle in den Landkreis Harburg ein - genauer gesagt in die Samtgemeinde Hanstedt, die sie bis zur Mündung in die Seeve nicht mehr verläßt. Wer sich nicht direkt auf die Suche macht, stößt aber erst auf dem Weg nach Undeloh auf den Fluß: Nachdem es den Radenbach aufgenommen hat und inzwischen einige Meter breit ist, "traut" sich das Gewässer in Sahrendorf erstmals in eine Ortschaft.

Historisch betrachtet war es natürlich umgekehrt: Für die Ansiedlung von Menschen war gerade die Nähe zum Wasser von Bedeutung, wie Samtgemeindebürgermeister Peter Muus betont. Für ihn persönlich hat die Schmale Aue noch eine andere Bedeutung: "Ich habe an der alten Mühle bei Schmalenfelde das Schwimmen gelernt", verrät er. Das können heute wohl nur noch wenige Menschen von sich behaupten - die meisten von ihnen ziehen beheizte Freibäder vor. In Sachen Wasserqualität kann die Schmale Aue da durchaus mithalten: Sie wird durchweg als "mäßig belastet" eingestuft - das ist die zweitbeste Kategorie.

Dennoch leidet auch die Schmale Aue wie die meisten Heideflüsse an der starken Versandung. Gut zu beobachten ist dies von der Brücke im Zuge der Straße von Asendorf nach Brackel. Überhaupt: So wenig sich der Fluß in die Öffentlichkeit drängt, so gut ist er doch in vielen Teilen zugänglich. Angefangen beim Auetalwanderweg, der von Döhle bis Hanstedt das Wasser begleitet, bis hin zur ehemaligen Mühle in Schmalenfelde gibt es viele Punkte, die einen Einblick in die Schönheit der Schmalen Aue gewähren.

Eine Besonderheit kann unterhalb der "Mühle" entdeckt werden: Dort führt noch eine Furt durch den Fluß, außerdem gibt es einen kleinen Steg. Die Namen der Straßen, die dort hinführen, machen die Suche leicht: Auetalweg und Beim Stegen.

 

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Hintergrund

Wer zwischen Asendorf und Brackel auf der Brücke über die Schmale Aue anhält und den Blick schweifen läßt, wird sich wundern: Flußaufwärts blickt er auf ein Schild, daß das Gewässer als "Laichschonbezirk" ausweist, flußabwärts gibt es den Hinweis "Fischschonbezirk". Die Laichschongebiete, für die Oberläufe nahezu aller Fließgewässer ausgewiesen, waren eine Reaktion auf den Anfang der 80er Jahre einsetzenden Kanu- und Kajak-Tourismus (die Schmale Aue kann von Döhle bis nach Marxen befahren werden). Damit Boote und Paddel den Laich der Fische nicht zerstören können, ist das Befahren der Oberläufe vom 15. Oktober bis 14. Juni verboten. Fischschonbezirke hingegen sollen die Tiere vor Anglern und anderen Jägern schützen. Sie sind für die Zeit vom 1. Februar bis 30. November ausgewiesen. In unseren Gewässern kommen unter anderem Bach- und Meerforelle, Wollhandkrabbe, Neunauge und Wasserspitzmaus vor. Doch auch Vögel wie Schwarzstorch, Kranich, Graureiher, Eisvogel und sogar Fischadler suchen die Nähe zu den Flüssen im Landkreis Harburg. Auch schwimmende Ringelnattern sind hier und da zu beobachten.