Die Flüsse im Landkreis
Das Baden in der Seeve wird zu einer Mutprobe
Die Seeve fließt schneller als die anderen Heideflüsse
Sie leiht zwar einer ganzen Gemeinde ihren Namen, ziert deren Wappen und ist auch sonst wie kein anderer Fluß unserer Gegend mit den Menschen verbunden. Dennoch zeigt sie uns beständig die "kalte Schulter" - die Seeve ist Norddeutschlands kältester Fluß. Bedingt ist das unter anderem durch einen Umstand, der gestandenen Berg-Bewohnern nur ein müdes Lächeln entlockt, für uns Flachlandtiroler aber von Bedeutung ist: Die Seeve überwindet auf ihrem nur rund 40 Kilometer langen Weg zur Elbe einen Höhenunterschied von 63 Metern und fließt daher schneller als die meisten anderen Gewässer unserer Gegend. Zum Vergleich: Die Ilmenau fällt auf 107 Kilometern Länge ebenfalls nur 67 Meter ab.
Die Quellen der Seeve treten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide südlich der Ortschaft Wehlen am Fuße des Wilseder Bergs in einer moorigen, schwer zugänglichen Gegend ans Tageslicht. Eine große Anzahl von Zuflüssen - vom Rehmbach, über Weseler und Seppenser Bach bis hin zum Ashauser Mühlenbach - treibt die Seeve nicht nur flott voran, sondern versorgt sie beständig mit kühlem Wasser.
Diese Zuflüsse bewirken allerdings nicht nur, daß das Baden in der Seeve sogar im Sommer zur Mutprobe wird. Auch im Winter bleibt die Wassertemperatur mit rund zehn Grad relativ stabil. Starken Einfluß in diesem Zusammenhang hat die Schmale Aue, die sich bei Jesteburg der Seeve anschließt. Ab dieser "Vereinigung" zeigt sich die Seeve breiter und tiefer - jetzt ist sie ein richtiger Fluß.
Stärker als alle Nebenflüsse hat sich der Mensch mit der Seeve verbunden: Eine Vielzahl von Bauwerken zieren den Fluß, stören ihn und seine Bewohner aber auch. Angefangen bei einer Stauanlage nahe Inzmühlen, über die Fischteiche zwischen Holm und Wörme, Wehranlagen bei Wiedenhof und Bendestorf, Wassermühlen in Holm und Horst, der Abzweigung des Seevekanals nach Harburg, der Kanalisierung des Flusses unter dem Rangierbahnhof Maschen hindurch bis hin zum Seevesperrwerk an der Mündung östlich von Over reichen die Eingriffe des Menschen.
Hinzu kommen Einflüsse durch die landwirtschaftliche Nutzung: Zwischen Lüllau und Wiedenhof gibt's das "Rieselwiesensystem" - viele kleine Gräben wurden dort seit 1840 angelegt, um Gebiete durch Bewässerung nutzbar zu machen. Doch auch Viehtritt sowie Ferienhausbebauung direkt am Fluß stören das Ökosystem.
Vielleicht liegt es daran, daß die Seeve das einzige größere Gewässer ist, das von Anfang bis Ende im Landkreis Harburg verläuft: Jedenfalls vereinnamen die Menschen den Fluß wie keinen zweiten - nicht nur die Seevetaler. Das hat allerdings manchmal auch positive Nebenwirkungen. So macht an den Karpfen- und Forellenteichen bei Holm schon mal ein Fischadler Station.
Andere Aktivitäten zeigen ambivalente Wirkungen: Von dem Kanu-Tourismus, der an der Grenze des Laichschonbezirks bei Lüllau einsetzt, profitiert zwar die Region. Doch die Paddler stören auch Flora und Fauna der Seeve - unter anderem Wasserstern, Gebirgsstelze Flußnapfschnecke und Forelle.
Auf der Gewässergütekarte des Staatlichen Amtes für Wasser und Abfall Lüneburg wurde die Seeve 1994 noch überwiegend als "mäßig belastet" eingestuft. Doch die Experten sind sich einig: Damit das so bleibt oder sogar besser wird, dürfen die Menschen dem Fluß nicht die kalte Schulter zeigen - auch wenn wenn er uns beim Baden frieren läßt.
