Harburger Geschichten

23 Minuten bis zum Hauptbahnhof

1984-1985: Neuwiedenthal findet Anschluss an die Einkaufszentren

Nicht oft haben die Menschen in der Hochhaussiedlung in Neuwiedenthal etwas zu lachen. 1984 dürfen sie sich zumindest darüber freuen, daß die Einkaufszentren Harburgs und Hamburgs für sie näherrücken. Ein Großteil der rund 15 000 Einwohner sind am 4. August 1984 auf den Beinen, als ihr neuer Schnellbahnhof eingeweiht wird. Mit ihm, der den alten Bahnhof Hausbruch ersetzt, erhalten die Neuwiedenthaler zum erstenmal einen eigenen S-Bahn-Anschluß. In nur 23 Minuten können sie nun am Hamburger Hauptbahnhof sein. Und Neuwiedenthal hat am 4. August endlich einmal prominenten Besuch. Der damalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi kommt, um eine neue Zeit für den schon damals sozial kränkelnden Stadtteil einzuläuten. Mehr als 10 000 Menschen marschieren mit den Ehrengästen der beiden Eröffnungszüge zum Marktplatz, wo Dohnanyi in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung der neuen Schnellbahn würdigt. "Heimfeld, Neuwiedenthal und Neugraben werden als Wohn- und Arbeitsorte attraktiver werden", verspricht er. Der damalige Verkehrssenator Volker Lange ergänzt: "Der Riesenerfolg der S-Bahn-Strecke bis Harburg-Rathaus hat schon gezeigt, daß die Bürger den verkehrspolitischen Grundsatz des Senats akzeptieren." Bevor sich die erste S-Bahn um exakt 10.10 Uhr von Harburg-Rathaus zur Jungfernreise Richtung Neuwiedenthal in Gang setzt, tauften Dohnanyi, Lange und der damalige Harburger Bezirksamtsleiter Jobst Fiedler sie auf den Namen Süderelbe. Aber nicht nur in Neuwiedenthal beginnen 1984 neue Zeiten. Während die mitten im dichtbebauten Wohngebiet gelegene S-Bahn-Haltestelle Heimfeld zwischen Harburg-Rathaus und Neuwiedenthal zunächst mit täglich rund 3800 Fahrgästen fertig werden muß, erhält die darauf folgende Haltestelle Neugraben in verkehrspolitischer Hinsich eine völlig neue Bedeutung. Sie dient jetzt nicht nur als neuer S-Bahn-Haltepunkt, sie wird vielmehr in erster Linie ein "Umschlagplatz für Pendler". Diejenigen, die aus dem Raum Stade/Buxtehude täglich zur Arbeit nach Hamburg müssen, haben vom 4. August 1984 an die Möglichkeit, von Neugraben an ihren Autositz gegen die S-Bahn-Bank einzutauschen. Rund 8000 Fahrgäste täglich muß der südliche Endpunkt der Hamburger S-Bahn-Strecke schon zu Beginn seiner Fahrten verkraften.

 

Infobox

Zeitraffer

Juli 1984: Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht fällt die Entscheidung, Buchholz an die Autobahneckverbindung Dibbersen-Marmstorf über die "Stuvenwaldtrasse" anzubinden. Juli 1984: Die Entscheidung für den Bau des City-Centers in Buchholz ist gefallen. In zwei Jahren soll das Projekt mit rund 30 Millionen Mark Investitionsvolumen in der Mitte der Nordheidemetropole realisiert werden. Juli 1984: In Harburg wird Baugrund für 600 Familien billig angeboten. Damit soll die fortschreitende Abwanderung von Familien aus Harburg gestoppt werden. August 1984: Zum wiederholten Male wird in Heimfeld ein Baby ausgesetzt. Bereits im April hatten die Kinderärzte im Krankenhaus Mariahilf ein Findelkind pflegen müssen. September 1984: Für 60 Millionen Mark soll das Gelände zwischen Harburger Rathausstraße und Harburger Ring in ein Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum umgebaut werden. Oktober 1984: Bei einem Barkassenunglück im Hamburger Hafen kommen 19 Menschen ums Leben, 23 Personen werden gerettet. Juni 1985: Das Bürgerhaus in Wilhelmsburg wird eingeweiht. Juli 1985: Der Hamburger Hafen expandiert in Richtung Süderelbe. Die Hamburger Hafen Lagerhaus-Gesellschaft (HHLA) baut südlich des Dradenauer Hauptdeiches eine 30 000 Quadratmeter große Lagerhalle. September 1985: Die Finanzierung des Harburger Rathausplatzes steht. Hamburgs Umweltsenator Curilla bewilligt 1,75 Millionen Mark, der Gesamtetat beträgt 2,35 Millionen Mark. Oktober 1985: Mit einem großen Festakt wird das 100jährige Bestehen der Kreisordnung gefeiert.