Harburger Geschichten
Der Nachbar ist der "Heidemörder"
1988-1990: Die Jagd nach dem Mörder hält die Menschen in Atem
In einer Waldkuhle an der Kreisstraße 72 zwischen Holm-Seppensen und Sprötze liegt die Leiche einer jungen Frau. Lara Holz heißt die 22jährige Kosmetikschülerin aus Holm-Seppensen, die am 26. November 1990 zuletzt lebend gesehen worden war. Jetzt, am 1. Dezember, ist die Unsicherheit über ihr Schicksal auf schlimmste Art beendet worden. Die Frau ist vergewaltigt und dann brutal erdrosselt worden. Doch der Mörder hat sich damit nicht zufrieden gegeben: Die Leiche ist verstümmelt, Finger und ein Augenlid sind abgetrennt. Die Polizei nimmt die Jagd nach dem "Heidemörder" genannten Unbekannten auf, dessen Tat die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Akribisch verfolgt die Polizei jede Spur, recherchiert minutiös den letzten Tag im Leben der 22jährigen, die in Hamburg zur Schule ging und von Buchholz aus per Anhalter nach Hause fahren wollte. Auch das private Umfeld von Lara Holz wird unter die Lupe genommen - und auch die Nachbarschaft. Dreieinhalb Wochen dauert die Jagd nach dem Mörder. Am 23. Dezember 1990 haben die Fahnder Erfolg. Sie nehmen Thomas Holst fest, einen Graphiker, der in Holm-Seppensen ein Wochenendhaus bewohnt. Alle Zweifel an der Schuld des bereits 1988 wegen Nötigung, Freiheitsberaubung und vorsätzlicher Körperverletzung in Hamburg zu einer Bewährungsstrafe verurteilten 26jährigen sind bald ausgeräumt. Polizeigutachter weisen anhand von Blutspuren nach, daß Lara Holz im Wohnzimmer seines Häuschens am Falkenweg mißbraucht und ermordet wurde. Ihre Leiche wurde im Auto zum Fundort transportiert. Für die Holm-Seppenser ist die Überführung des unauffälligen Mannes ein Schock. Niemand habe ihm die Tat zugetraut, heißt es einhellig. Doch das wahre Ausmaß seiner Verbrechen wird erst noch zutage gebracht: Holst hat zwei weitere Frauen auf dem Gewissen. Im November 1987 hatte er die 21jährige Studentin Andrea-Grube-Nagel in Rissen vergewaltigt und erdrosselt. Und auch die Hausfrau Petra Maßen (28) mißbrauchte er vor ihrem gewaltsamen Tode. 1992 wird Holst wegen Totschlags an Lara Holz vom Landgericht Stade zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil später wieder auf: Unklarheiten in der Beweisführung. Das neue Urteil lautet 1994 wegen Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung auf 14 Jahre Haft und Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt. Am 27. September 1995 flieht Holst mit Hilfe seiner Therapeutin Tamar Segal aus der geschlossenen Psychiatrie des AK Ochsenzoll, stellt sich aber am 30. Dezember der Polizei.
