Harburger Geschichten
Durchstarten mit dem Hansa-Jet
1966 - 1969: In Finkenwerder werden wieder Flugzeuge gebaut
Am 2. Februar 1966 knallen auf dem noch von den Kriegsereignissen gezeichneten Werksgelände der Hamburger Flugzeugbau GmbH (HFB) in Finkenwerder die Sektkorken. Der Start der ersten Serienmaschine des "HFB 320 Hansa-Jet" ist geglückt. Der amerikanische Testpilot Robert Ford hat den silbernen Jet langsam von der kurzen Startbahn des Finkenwerder Werks hochgezogen. Der Erstflug der Serienmaschine verläuft planmäßig. Damit ist der Hansa-Jet das erste deutsche Verkehrsflugzeug mit Düsen-Strahlantrieb. Und Finkenwerder ist wieder ein bedeutender Standort der deutschen Luftfahrtindustrie. Die Techniker der Hamburger Luftwerft, die 1933 durch Werftchef Walther Blohm als "Abteilung Flugzeugbau" der weltbekannten Werft Blohm + Voss gegründet wurde, werden auf der Zielgeraden um ein Haar noch von den Ingenieuren der Vereinigten Flugzeugwerke in Bremen überholt, die ebenfalls an einem Strahlflugzeug arbeiten. Der Hansa-Jet war ein Unikum. Er fiel vor allem durch seine beiden pfeilförmig nach vorn stehenden Tragflächen auf. Das rund 16,6 Meter lange Geschäfts- und Reiseflugzeug war für zwei Mann Besatzung vorgesehen und konnte bis zu zwölf Passagiere aufnehmen. Die beiden General-Electric-Strahltriebwerke ermöglichten eine Geschwindigkeit von 815 Kilometern pro Stunde. Reichweite: bis zu 2660 Kilometer. Die Entwicklung dieses Jets begann schon 1961, nachdem das Projekt eines Mittelstrecken-Verkehrsflugzeugs für 80 Passagiere ("HFB 314") an der Finanzierung gescheitert war. Von rund 90 Millionen Mark Entwicklungskosten des Hansa-Jets brachten die rund 5000 Finkenwerder Flugzeugbauer mehr als 36 Millionen selbst auf - den Rest gaben das Bundeswirtschaftsministerium und die Stadt Hamburg dazu. Der erste Prototyp des einzigen jemals in Deutschland gebauten strahlgetriebenen Geschäftsreiseflugzeugs startete aber erst am 21. April 1964 in Finkenwerder zu einem 73minütigen Flug nach Bremen. Testpilot Loren William Davis war begeistert: "Dieses Flugzeug mit seinen vorwärtsgepfeilten Flügeln hat gute Fluglagen gezeigt." Doch erst Ende Februar 1967 überreichte das Luftfahrt-Bundesamt die Zulassungsurkunde für den Hansa-Jet an HFB-Geschäftsführer Hans Wocke. Um diese Urkunde zu erhalten, mußten mehr als 2500 Prüfungen durchgeführt werden. Erst danach durfte der Flieger verkauft werden. Bei der Präsentation der ersten Serienmaschine 1966 lagen fünf Kaufverträge und acht Optionen vor. Die Planer in Finkenwerder rechneten bei einer Monatsproduktion von zwei, später vier Maschinen mit 120 bis 150 Kaufverträgen. Doch es wurden bis 1980 nur 47 Maschinen gebaut. Allein die Bundeswehr erhielt ein Dutzend Hansa-Jets, die als Kurierflugzeuge für wichtige Persönlichkeiten in der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums oder als Funkmeßflugzeuge eingesetzt waren. Anfang der 90er Jahre wurden die Maschinen ausgemustert. Einige der HFB-Jets sind als Ausstellungsstück erhalten geblieben. Ein Exemplar steht beispielsweise an der Produktionsstätte in Finkenwerder.
