Harburger Geschichten
Harburg wird zur Großbaustelle
1970 - 1973: Wühlspur durch die Stadt bereitet Harburgs Anschluss an das S-Bahn-Netz vor
Sogar eine kleine Straße war gebaut worden, damit Minister und Gefolge nicht durch den Matsch der Baustelle waten müssen. Am 28. August 1973 hatte Verkehrsminister Lauritz Lauritzen den ersten Rammschlag für den Bau der S-Bahn mit klugen Worten eingeleitet. Und dann das: Wenige Tage später war die Ramme schon wieder aus Harburg verschwunden. Wochenlang war kein Arbeiter auf der Baustelle mehr zu sehen, die doch den Start für wundervolle Zukunft Harburgs werden sollten, wie es die Redner am 28. August noch verkündet hatten. Zumindest verläuft der Start zu der wohl größten Umbauaktion Harburgs zunächst recht zögerlich. Erst Wochen nach dem feierlichen Rammschlag geht es voran mit der S-Bahn, die in zehn Jahren den Hamburger Hauptbahnhof über Harburg mit dem Ortsamtsbereich Süderelbe in Neugraben und Neuwiedenthal verbinden soll. Rund fünf Kilometer dieser 23,5 Kilometer langen Strecke verläuft unterirdisch - zumeist mitten in Harburg, dessen Bild in der Innenstadt von 1973 an durch Umleitungen, Baustellen, Kräne und Bagger geprägt wird. Im Tagebau wird der S-Bahn-Schacht durch die City getrieben, 1972 und 1973 müssen etliche große Gebäude dafür weichen, 350 Familien werden umquartiert. Einen Teil der Wühlspur durch die Stadt nutzen die Stadtplaner, um darauf oberirdisch den großzügigen Innenstadtring zu bauen. Beide Baumaßnahmen sind nur ein Teil des gesamten Umbaupakets, daß der Senat für Harburg vorgesehen hat. Gleichzeitig fällt auch der Startschuß zur Sanierung großer Teile der Harburger City. Damit verbunden ist die Sperrung der Lüneburger Straße, die Fußgängerzone werden soll. Eine "Aufbruchstimmung" habe seinerzeit in Harburg geherrscht, erinnert sich der Harburger Tiefbau-Mitarbeiter Eckhard Grimm heute, der seinerzeit als Ingenieur beim Bezirksamt angefangen hatte. Harburg war zu dieser Zeit eine einzige Baustelle. "Beinahe täglich mußten wir die Verkehrsführung ändern." Diesem Kraftakt in den 70er Jahre waren allerdings Jahrzehnte vorausgegangen, in denen in Harburg wenig investiert wurde. Kriegslücken prägen noch das Stadtbild, als die große Umbauaktion beginnt. Dabei gab es schon 1936 - ein Jahr, bevor Harburg seine Eigenständigkeit verlor - konkrete Pläne für eine S-Bahn über die Elbe. So sollte eine Linie aus der Strecke Altona - Blankenese "ausgefädelt" werden und auf einer doppelstöckigen Autobahn/Eisenbahn-Hochbrücke über die Elbe nach Hausbruch geführt werden. Die Zeichnungen zeigten damals eine Brücke, die auf 180 Meter hohen, ganz aus roten Ziegelsteinen gebauten Pfeiler hing. Diese gigantische Elbquerung sollte das "Tor zur Welt symbolisieren", kam infolge des Weltkriegs aber aus dem Planungsstadium nie heraus. Erst in den 60ern wurden die S-Bahn-Pläne für Harburg wieder aufgenommen, am 23. Februar 1966 stimmte schließlich die Bürgerschaft zu - trotzdem dauerte es dann immer noch ganze sieben Jahre, bis zu dem Besuch von Minister Lauritzen an der Harburger Ramme.
