Harburger Geschichten

Ein Tunnel begeistert die Welt

1974 - 1976: Der Elbtunnel wird als Jahrtausendbauwerk gefeiert

Als größter Unterwassertunnel Europas wurde er bei seiner Eröffnung am 10. Januar 1975 gefeiert. Doch es dauerte nicht lange, da reichte die mit täglich 65.000 Autos angegebene Kapazität des Elbtunnels bei weitem nicht mehr aus. Inzwischen wird die vierte Röhre gebaut, um die angewachsenen Verkehrsströme aufnehmen zu können. Diese Entwicklung aber hat vor 24 Jahren keiner voraussehen können. Damals bestaunte die Welt die Unterwasserverbindung zwischen dem Norden und Süden Hamburgs als Jahrhundertbauwerk. Die westliche Umgehung der Hansestadt entzerrte das städtische Verkehrslabyrinth.

Sechseinhalb Jahre hatte es gedauert, bis der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt am 10. Januar 1975 als erster Gast durch den neuen Tunnel fahren konnte und ihn anschließend für den Verkehr freigab. Eröffnet wurden zunächst nur zwei der drei Röhren, in der westlichen waren die Bauarbeiten noch nicht ganz abgeschlossen. Gekostet hat das 3325 Meter lange Monumentalbauwerk zwischen Waltershof im Süden und Neumühlen im Norden mehr als 500 Millionen Mark.

Kernstück des sechsspurigen Tunnels bildet in 33 Meter Tiefe unter der Elbe die 1056 Meter lange Strecke aus acht vorgefertigten Betonelementen. Jedes dieser Elemente ist 132 Meter lang und hat eine Wasserverdrängung von je 45.000 Tonnen. Verarbeitet wurden in den drei Röhren insgesamt

3970 gußeiserne Tunnelringe mit je 16 "Wellen-Tübbings" - einzelne Tunnel-Teile - der Firma Buderus aus Wetzlar. Die "Tübbings" wurden erstmalig aus dem Werkstoff "Gußeisen mit Kugelgraphit" hergestellt, der in seiner Zugefestigkeit, Streckgrenze und Bruchdehnung stahlähnliche Eigenschaften aufwies.

Heute wie damals gestaltete sich die Bohrung unter der Elbe als größtes Problem. Im Schildvortrieb grub sich beim Bau des Jahrhundertmonuments ein von Laserstrahlen gesteuerter Bohrer unter der Elbe durch, um die Röhren mit je elf Metern Durchmesser zu graben. Der Boden wurde durch Beton-Injektionen verfestigt. Heute ist es der Bohrer "Trude", der sich ebenfalls im Schildvortriebsverfahren rotierend durch den Elbuntergrund frißt.

Ein Tunnel in 33 Meter Tiefe unter der Wasseroberfläche bedarf natürlich einer hervorragenden Abdichtung, um die Fahrzeuge "trockenen Fußes" passieren zu lassen. Daher wurden die als besonders dicht geltenden Bitumenbahnen für die Decke der Tunnelstrecke und für die Sohle, Wände sowie die Decken der Rampentunnel gewählt. Äußerst kompliziert fiel der technische Aufwand aus. Auf der gesamten Tunnelstrecke wurden etwa 50 Fernsehkameras installiert, außerdem hydranten, Feuerlöscher, Lautsprecher und eine Belüftungsanlage mit 29 großen Ventilatoren.

Welch technisches Meisterwerk dort unter der Elbe entstanden war, konnte die Bevölkerung bereits vor der offiziellen Einweihung des Tunnels bestaunen. Im Rahmen eines rauschenden Volksfestes durchwanderten weit mehr als 500.000 Hamburger und ihre Gäste vom 26. bis 30. Dezember die Röhren, die das letzte Teilstück der Europastraße 3 von Skandindavien bis Portugal bilden. "Dieser Tunnel ist ein Stück Zuversicht und Optimismus", sagte der damalige Hamburger Bürgermeister Hans-Ulrich Klose.

 

 

 

Infobox

Zeitraffer

Januar 1974: Hittfeld erhält die langersehnte Spielbankkonzession. Lüneburg und Bendestorf, die sich ebenfalls bemüht hatten, gehen leer aus. Juni 1974: Die "Traumfabrik des Films" in Bendestorf muß schließen. Mit mehr als einer Million Mark steht die Film-Atelierproduktionsstätte in der Kreide. Juli 1974: Die Kreisstadt Winsen hat sich für ein Atomkraftwerk entschieden. Von 33 Abgeordneten des Stadtrates signalisieren 28 grundsätzliche Bereitschaft für den Bau. August 1974: Nach wie vor hat Harburg die geringste Arbeitslosenquote in der Hansestadt. Sie liegt mit 1,1 Prozent um 0,2 Prozentpunkte unter der Gesamt-Hamburgs. September 1974: Die Köhlbrandbrücke wird eingeweiht. Das moderne, 3980 Meter lange Bauwerk verbindet den alten Hafenteil in Wilhelmsburg mit dem neuen in Waltershof. Mai 1975: Drei Wölfe streichen durch die Wälder des Landkreises. Sie sind aus dem Wildpark Lüneburger Heide entwichen und werden sie für den Abschuß freigegeben. Juli 1975: Elf Tote und mehr als 70 Verletzte - das ist die Bilanz eines Zugunglücks in Hausbruch. Ein Güterzug und ein Nahverkehrszug waren zusammengestoßen. August 1975: Mehr als 60 Millionen Mark Schäden richtet ein Flammen-inferno in den Kreisen Harburg, Celle und Lüchow-Dannenberg an. Feuerwehr, Bundeswehr und Grenzschutz sind eine Woche lang damit beschäftigt, das Feuer in der Heide zu bekämpfen.