Harburger Geschichten
Frischwasser aus der Heide
1980 - 1983: 15 Millionen Kubikmeter Grundwasser sollen jährlich entnommen werden
Das hat es noch nie gegeben: Wasser aus der Nordheide fließt nach Hamburg. Am 15. Februar 1983 wird zum erstenmal Heidewasser in Hamburger Haushalte gepumpt. Diesem historischen Tag gehen massive Proteste voraus. Viele Heidebewohner befürchten, daß durch die Wasserentnahme der Grundwasserspiegel im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide entscheidend absinken könnte.
15 Millionen Kubikmeter Grundwasser sollen jährlich aus dem etwa 300 Quadratkilometer großen Nordheidegebiet entnommen werden. Genehmigt sind 25 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Die Hamburger Wasserwerke wollen sich aber "freiwillig beschränken" - solange dies die Versorgungssitiuation der Metropole erlaube. Die Reduzierung der Fördermenge von 25 Millionen auf 15 Millionen Kubikmeter werten Gegner des Heidewasserprojektes als Erfolg ihrer jahrelangen Bemühungen.
Als Ende der 70er Jahre bekanntgegeben wurde, daß Wasser aus der Heide in Hamburger Haushalte fließen soll, hatte sich eine große Protestbewegung formiert. Bauern und andere Bürger der Nordheide sowie Naturschutzvereine schlossen sich zur "Interessensgemeinschaft Grundwasserschutz" zusammen. Besonders beunruhigt über die Grundwasserförderung in der Nordheide ist die Landwirtschaft. Die fast 400 Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe mit etwa 1200 Beschäftigten in der Samtgemeinde Hanstedt fürchten drastische Einschränkungen, wenn die Nutzflächen zum Trinkwasserschutzgebiet erklärt werden.
Unter dem Druck des lange anhaltenden Protests gegen das Wasserwerk Nordheide, kündigen die Hamburger Wasserwerke Untersuchungen an. Bis 1984 soll eine Vielzahl von Meßdaten von insgesamt mehr als 500 Grund- und Oberflächenwasser-Meßstellen in der Nordheide Aufschluß über mögliche Folgen im Erdreich geben. Auch eventuelle Schäden an Gebäuden sollen auf diese Weise rechtzeitig erkannt werden können.
Das Heidewasser sei für Hamburg "unverzichtbar", betonen die Hamburger Wasserwerke. Es sei "wesentlicher Eckpfeiler" der Wasserversorgung der Großstadt. Um die knapp zwei Millionen Einwohner der Metropole "nachhaltig und auf hohem qualitativen Niveau" versorgen zu können, sei die Grundwasserentnahme aus dem Süden unverzichtbar. Mit der vorerst geplanten Wassermenge von 15 Millionen Kubikmeter werden elf Prozent des Hamburger Bedarfs gedeckt. Das Wasser aus der Heide ist bekannt für gute Qualität.
Die Einspeisung erfolgt im Westen des Versorgungsgebietes zwischen Teufelsbrück und Övelgönne. Das Heidewasser fließt über eine 28 Kilometer lange Leitung zunächst in den Hochbehälter Ehestorf und von dort nach kurzer Zwischenspeicherung in eine Ringleitung, die von Waltershof als Düker unter der Elbe hindurchgeführt wird.
In den Genuß des Heidewassers kommen Haushalte in Harburg und Altona einschließlich St. Pauli. Mit der Einspeisung ins Hamburger Netz wird sich in diesen Stadtteilen im südlichen und westlichen Hamburg die Wasserqualität ändern. Das "Heidenaß" ist wesentlich weicher als das bisher in die betroffenen Gebiete gelieferte Wasser vom Hauptpumpwerk Rothenburgsort. Dadurch wird sich die Härte des Wassers mindern und künftig im Härtebereich 2 liegen (bisher Härtebereich 3).
