Operation Gomorrha
Die Ziele der Alliierten
"Operation Gomorrha". Unter diesem Codewort hatte die britische Royal Air Force den Plan entworfen, Hamburg dem Erdboden gleichzumachen.
"Schlacht um Hamburg", "Feuersturm" oder schlicht "Juli-Katastrophe" - was sich vor 60 Jahren in der Hansestadt ereignete, hat viele Namen. Meist haben die Menschen mit diesen Bezeichnungen versucht, das Unfassbare in Worte zu kleiden. Doch nur ein Name ist halbwegs offiziell: "Operation Gomorrha". Unter diesem Codewort hatte die britische Royal Air Force (RAF) unter ihrem Chef Sir Arthur Harris ("Bomber-Harris") den Plan entworfen, Hamburg dem Erdboden gleichzumachen. Marschall Harris, eine ebenso respektierte wie umstrittene Persönlichkeit, die von engen Mitarbeitern auch "Butch" - Kurzform für Schlachter - genannt wurde, handelte keineswegs aus dem Bauch heraus. Schon seit Ende des Ersten Weltkriegs hatten Militärexperten betont, dass Kriege fortan aus der Luft entschieden werden würden. Als Harris im Februar 1942 die RAF-Führung übernahm, rüstete er diese daher technisch und zahlenmäßig konsequent aus - bis sie im Juli 1943 die Stärke hatte, zusammen mit der ebenfalls aufgestockten amerikanischen Luftwaffe die zweitgrößte deutsche Stadt über Tage mit jeweils stundenlangen Bombardements zu überziehen. Nachdem im März 1942 quasi "testweise" das militärisch unbedeutende Lübeck zerstört worden war, formulierten die Alliierten im Januar 1943 auf ihrer Konferenz in Casablanca folgenden Auftrag an die britischen und amerikanischen Luftstreitkräfte: "Sie haben sich vor allem zum Ziel zu setzen, die deutsche Wirtschaft, Industrie und Wehrmacht nach und nach aus den Angeln zu heben und zu zerstören, sowie die Moral des deutschen Volkes soweit zu brechen, dass seine Fähigkeit zum bewaffneten Widerstand entscheidend geschwächt wird." Oberste Priorität: U-Boot-Werften, Flugzeugindustrie, Transportssystem. Und da Deutschland trotz der vernichtenden Niederlage von Stalingrad keine Friedensfühler ausstreckte, sondern Propaganda-Minister Josef Goebbels am 18. Februar sogar den "totalen Krieg" ausrief, konnte sich die Menschen am wichtigen Industrie- und Werftenstandort Hamburg wohl ausrechnen, was kommen würde. Abgesehen von einigen kleineren Angriffen blieb es jedoch zunächst relativ ruhig in der Hansestadt. Wie der damalige Feuerwehrkommandeur Hans Brunswig in seinem Buch "Feuersturm über Hamburg" festhielt, hatten von Kriegsbeginn bis Juli 1943 etwa 4000 britische Flugzeuge die Stadt an der Elbe angeflogen. Dabei kamen 1431 Menschen ums Leben, 4675 wurden verletzt, 24.375 obachlos. 50.700 Menschen mussten umquartiert werden, weil 1310 Wohnungen zerstört und rund 25.000 beschädigt worden waren. Erschreckende Zahlen, aber nicht vergleichbar mit dem, was jetzt auf Hamburg zukommen sollte. Zwischen dem 24. Juli und dem 3. August 1943 warfen laut Unterlagen der Feuerschutzpolizei rund 3000 britische und amerikanische Flugzeuge etwa 10.000 Tonnen Bomben auf die Hansestadt, darunter 1200 Minen, 25.000 Sprengbomben und weit über drei Millionen Brandbomben. Von den vier Nacht- und zwei Tagangriffen blieb vor allem die Bombennacht vom 27. auf den 28. Juli in Erinnerung. Die geballte Wucht des Angriffs, eine neue Taktik beim Ausschalten der Flugabwehr und beim Abwerfen der Bomben sowie klimatische Bedingungen riefen einen nicht für möglich gehaltenen "Feuersturm" hervor, der im Osten Hamburgs auf einer Fläche von mehr als 13 Quadratkilometern nahezu alles Leben vernichtete. Mehr als 40.000 Menschen kamen allein in diesen Tagen im Juli und August 1943 ums Leben. Rund 900.000 verloren ihre Wohnung und verließen fluchtartig die Stadt. Auf diese Ereignisse blickt die HAN-Serie zurück - im Sinne von Hans Brunswig, der seinem Buch die Worte voranstellte: "Die vorliegende Arbeit möge als ein Beitrag zur Dokumentation der Sinnlosigkeit gewaltsamer Auseinandersetzungen gewertet werden." (HAN, 19.07.2003)
