Was macht eigentlich?
Wind im Job und unterm Segel
Der frühere Kreishaus-Vize Helmut Heyne bewegt heute die Wirtschaft in der Landeshauptstadt
Hannover/Winsen. "Lieber der Erste im Dorf als der Zweite in Rom" hatte der zweite Mann im Winsener Kreishaus gern gescherzt, als er zur Jahrtausendwende den "römischen" Landkreis Harburg unter dem damaligen Oberkreisdirektor Hans-Bodo Hesemann verließ, um als Oberbürgermeister der Erste im "Dorf" Cuxhaven zu werden. Heute ist Helmut Heyne von seinem einstigen Wahlspruch nicht mehr so hundertprozentig überzeugt.
"Ich hätte damals im Landkreis Harburg bleiben sollen", sagt er rückblickend. Was allerdings ganz und gar nicht heißen soll, dass es ihm dort, wo er jetzt ist, nicht allerbestens ginge. Seit Sommer 2005 ist der frühere Erste Kreisrat des Landkreises Harburg zwar nicht der oberste Erste im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium sehr wohl aber der Erste in der Ministeriumsabteilung Industrie, die er seither mit ungebrochener Begeisterung leitet: "Das ist ein hochinteressanter Job, es geht mir ausgezeichnet", erzählt der 60-Jährige.
Sein rückblickendes Bedauern, im Jahr 2000 den Landkreis verlassen zu haben, zielt vielmehr auf sein fünfjähriges Zwischenspiel in Cuxhaven. Im Bewusstsein, an der Küste eine große Herausforderung vor sich zu haben, war der Diplomvolkswirt mit dem FDP-Parteibuch seinerzeit an die Nordseeküste gezogen, um das hochverschuldete, strukturschwache Cuxhaven nach vorn zu bringen und gegen Wände gerannt. Genervt vom Polit-Filz und dem mangelnden Veränderungswillen der schwarz-roten Stadtratsmehrheit, warf er 2005 an der Küste das Handtuch und wechselte nach Hannover ins FDP-geführte Wirtschaftsministerium.
Dort ist Heyne mit seinem Team für die Betreuung der Industrieunternehmen des Landes, für Grundsatzfragen der Technologie und Innovationspolitik und der Wirtschaftsförderung zuständig und damit wieder ganz in seinem Element. "Wirtschaft ist ja immer mein Thema gewesen, und hier haben wir es mit richtig dicken Brocken zu tun", erzählt er, und in seiner Stimme schwingt Begeisterung mit.
Die Offshore-Industrie etwa die großen Windparks, die vor der Küste in der See entstehen gehören in sein Tätigkeitsfeld. Gerade eben sei er aus Emden zurückgekommen, wo derzeit große Offshore-Flächen vorbereitet werden. "Ins Projekt Jade-Weser-Port haben wir wieder Ruhe reingebracht, und auch die Biotechnologie ist hier ein großes Thema", erzählt Heyne. Auch privat fühle er sich in der Landeshauptstadt sehr wohl, berichtet Heyne.
Gänzlich unbekanntes Pflaster war Hannover für den gebürtigen Ostfriesen ohnehin nicht, vor seinem Wechsel nach Winsen 1994 hatte er dort bereits gearbeitet und gelebt. Seine Frau unterrichtet in Hannover an einer Grundschule, und seit einem halben Jahr ist Helmut Heyne stolzer Opa eines kleinen Enkels namens Harry. "Nach Prinz Harry oder nach Harry Potter, das weiß man nicht so genau", sagt er lachend. Ansonsten lebe er in Hannover wie ein typischer Großstadtmensch, berichtet Heyne. "Ich lese, ich gehe ins Theater" und wenn es die Zeit erlaubt, zieht es den begeisterten Segler aufs Wasser: "Der nächste Segelurlaub ist schon geplant", verrät er.
In den Landkreis Harburg komme er immer wieder gern, sagt Heyne. An seine Zeit in Winsen habe er noch viele gute Erinnerungen. Jüngst konnten ihn viele alte Bekannte beim Empfang zum zehnjährigen Bestehen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WLH begrüßen.
Im eigenen Wirkungskreis in der Landeshauptstadt erwartet der 60-Jährige nun den neuen obersten Ersten im Hause: Philipp Rösler, der im Februar Walter Hirche als Wirtschaftsminister folgen wird, werde frischen Wind bringen, glaubt Heyne und für ihn persönlich noch eine Premiere: "Es ist das erste Mal, dass ich einen jüngeren Chef haben werde."
