Was macht eigentlich?

(K)ein normaler Ruhestand

"Mein großer Vorteil war, dass ich mich in den letzten Jahren damit beschäftigt habe, dass das Dienstende kommen wird", meint Herbert Wittneben. Der Tag des Abschieds kam 2005.
Was macht eigentlich Herbert Wittneben

Ein entspanntes Bild: Herbert Wittneben nimmt sich Zeit, um ein Buch zu lesen.

Buchholz. "Mein großer Vorteil war, dass ich mich in den letzten Jahren damit beschäftigt habe, dass das Dienstende kommen wird", meint Herbert Wittneben. Der Tag des Abschieds kam dann am 4. Februar 2005, der damals 59-jährige Wittneben wurde als Leiter der Zentralen Kriminalinspektion Lüneburg ehrenvoll aus dem Dienst entlassen. Der Chefermittler konnte an diesem Tag auf mehr als 40 Jahre erfolgreiche Polizeiarbeit zurückblicken: "Mir war bewusst: Ich bin als polizeilicher Vertreter meiner Dienststelle und nicht als Person Herbert Wittneben abgetreten."

Und dem ehemaligen Kriminalbeamten war von vornherein klar, dass er nicht den beinahe standardisierten Beschäftigungen manch anderem Ruheständlers nachgehen wollte. Keine gesonderte Zeit für ein Buch ("Gelesen habe ich immer schon viel"), die Enkel, den Garten oder dergleichen, nein: Herbert Wittneben setzte in den vergangenen fünf Jahren andere Pläne um.

Zwar, so muss der heute65 Jahre alte Buchholzer zugeben, wühle er dann und wann auch im Garten herum. "Da sieht man, anders als bei meiner damaligen Büroarbeit, abends, dass man etwas geschafft hat", so Wittneben. Doch ein Großteil der neu gewonnenen Zeit widmete der langjährige Beamte der Wohltätigkeit, dem ehrenamtlichen Engagement. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf den Rotary-Club Winsen, dem er bereits seit dem Jahre 1998 angehört und dessen Präsident er vom 1. Juli 2007 bis 31. Juni 2008 war. Zahlreiche humanitäre und kulturelle Projekte auf lokaler und internationaler Ebene hat er in seinem Club auf den Weg gebracht. Eines der vorderen Ziele der Rotarier ist die Ausrottung der Kinderlähmung, das Wittneben gerne mit in Angriff nimmt. Außerdem betreut er ehrenamtlich psychisch kranke, geistig oder körperlich behinderte Menschen: Er macht für sie wichtige Behördengänge, erledigt Alltagsgeschäfte.

Aber der Kriminaldirektor a. D. hat auch Muße und Zeit für die wirklich schönen Dinge des Lebens - so zum Beispiel für klassische Musik. Während seines Arbeitslebens reisten Gattin Jutta und er dreimal nach Verona in die Oper: "Ein Erlebnis, sowohl von den Auftritten als auch von der Akustik her." Überhaupt habe seine Lebenspartnerin, mit der er gemeinsam mit den Kindern Mirko und Lena 1984 nach Buchholz zog, sein Interesse für die bildenden Künste geweckt.

Zudem kann der Mittsechziger die ermittlerische Tätigkeit doch nicht ganz lassen: Seit ungefähr zwei Jahrzehnten betreibt er Ahnen- und Familienforschung. Mittlerweile, so erzählt Herbert Wittneben, habe er die Linie seiner Vorfahren bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen können. "Man kriegt dabei raus: Wie lief das Leben früher ab? Ich lerne immer dazu", weiß der Hobby-Forscher zu berichten, dessen Ziel es irgendwann ist, ein Ahnenbuch zu erstellen. Netter Nebeneffekt der Nachforschungen: Seit einigen Jahren treffen sich die Wittnebens mit Verwandten aus dem Raum Itzehoe. Die hat der ehemalige Ordnungshüter im Zuge seiner Ahnenforschung "ermitteln" können.

Noch etwas gehört im jährlichen Rhythmus zum Urlaubsprogramm des Ehepaars aus der Nordheide: einwöchige Radtouren. Im vergangenen Jahr absolvierte man per Drahtesel eine Route elbaufwärts, von Wittenberg über Dresden bis zur tschechischen Grenze. 60 bis 70 Kilometer würden er und seine Frau bei diesen Touren am Tag zurücklegen, und dies alles ganz entspannt, berichtet Herbert Wittneben. Dieses Jahr stehe im Sommer eine Strecke entlang der Mosel auf dem Programm. Überdies besitzt Wittneben ein Faible für Polen: Er gehörte vor 14 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Buchholz, bereiste mit der Gattin häufig das alte Schlesien, besuchte einmal in den Jahren als Pensionär Krakau und schätzt vor allem die Gastfreundschaft der Osteuropäer.

Dass Wittneben nach mehr als 40 Dienstjahren inklusive jahrelanger Leitung der größten Dienststelle des Landkreises Harburg in Buchholz und insgesamt vier Jahren der Hauptverantwortung für die Zentrale Kriminalinspektion Lüneburg, der seiner Meinung nach "Krönung der Kriminallaufbahn", mit dem Schwerpunkt der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und der Ermittlungsarbeit gegen Banden- und Schwerstkriminalität das Leben danach in vollen Zügen genießen kann - erfreulich nach der arbeitsintensiven Polizeikarriere. Der Kopf ist nun aber frei. Angst vor verspäteten Rachegelüsten bei überführten Tätern verspüre er nicht. "Ich war nicht unmittelbar im operativen Geschäft tätig, habe mehr die strategischen Linien, die Verbindung zu ausländischen Dienststellen im Auge gehabt." Früher beschäftigte sich Wittneben teilweise bis in die Nacht hinein mit den Fällen, wurde sogar aus dem Bett geklingelt.

Natürlich verfolgt der erfahrene Kriminalist das heutige Polizeigeschehen - durchaus kritisch, wie sich an einem aktuellen Ärgernis, der Einbruchskriminalität, zeigt: Seit 20 Jahren sei das Thema "virulent im Landkreis", sagt Wittneben. Sein Denkansatz zur Eindämmung dieses Unheils ist präventiver Natur: "Jeder Hauseigentümer kann sich mit der vorhandenen Technik bei mechanischen Sicherungen besser schützen als die Polizei arbeiten kann." Doch trotz aller bei ihm vorhandenen Kritik an dem politischen Entscheidungsträger, der seiner Ansicht nach die Justiz mit zu knappen Mitteln ausstatten würden, weiß Herbert Wittneben: "Bei der Polizei wird ein guter Job gemacht."

Nicht nur aufgrund dieses Wissens sei es am Ende schon ein komisches Gefühl gewesen, Dienstausweis, Waffe und Schlüssel für die Dienststelle auszuhändigen: "Am Ende denke ich aber, dass ich das alles ganz gut hingekriegt habe." Seine Dienststelle habe er absolut "besenrein" und "intakt" übergeben, bis zum letzten Tag einen engagierten Job verrichtet. Und schließlich sei inzwischen mit 65 Jahren das Gefühl für den neuen Lebensabschnitt auch angekommen - als "richtiger Pensionär".