Was macht eigentlich?

Marinus Bester lebt seinen Traum

Es war der 29. April 2001. Diesen Tag werden Marinus Bester und viele Anhänger des Hamburger Sportvereins wohl nie in ihrem Leben vergessen. Mit seinem Tor zum 2:1 rettete er den HSV.
Marinus Bester

Er trägt die Raute im Herzen: Marinus Bester.

Harburg. Es war der 29. April 2001. Diesen Tag werden Marinus Bester und viele Anhänger des Hamburger Sportvereins wohl nie in ihrem Leben vergessen. In der 79. Minute der Partie des 31. Spieltags gegen Hansa Rostock wechselte der damalige HSV-Trainer Frank Pagelsdorf den 1,93 Meter großen Stürmer ein - und in der Nachspielzeit traf Bester zum 2:1. Der Treffer vertrieb endgültig das Abstiegsgespenst, das damals durch den Volkspark geschwebt war und Angst und Schrecken verbreitet hatte.

Neun Jahre sind seitdem vergangen, doch seinem Arbeitsplatz ist Marinus Bester, der in Hittfeld aufgewachsen ist und in Scharmbeck wohnt, treu geblieben. Als Teammanager kümmert sich der mittlerweile 41-Jährige um die Sorgen und Nöte der HSV-Profis. Ein 24-Stunden-Job sei dies, sagt Bester. Aber einer, der sehr viel Spaß mache: "Ich lebe meinen Traum."

In einem fünfköpfigen Team, zu dem unter anderem auch Bernd Wehmeyer und der ehemalige Busfahrer Jürgen Ahlert gehören, arbeitet Bester seit fünf Jahren zum Wohle des kickenden Rautenpersonals. Sie bilden quasi das Logistik-Unternehmen rund um die Bundesliga-Mannschaft. "Es ist Hilfe in allen Lebenslagen", sagt der Ex-Profi, der auch das Trikot von Werder Bremen und von Schalke 04 getragen hat. Sein Credo lautet: "Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen." Die Begriffe "gute Seele" oder "Mädchen für alles" stören ihn nicht. Ganz im Gegenteil: Wenn Bester einem Profi beispielsweise bei einem Behördengang hilft, ist das für ihn keine niedere Tätigkeit.

Zuletzt hatte auch Bester versucht, den unter Flugangst leidenden Peruaner Paulo Guerrero von Lima zurück an die Elbe und die Alster zu lotsen. Der 41-Jährige war einmal selbst in die peruanische Hauptstadt geflogen. Auch wenn seine persönlichen Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt waren ("Da konnte man wirklich nichts machen"), zeige der Versuch doch, wie sehr sich der HSV um seine Spieler kümmere. "Es macht mich schon stolz, wenn die Spieler sagen, sie hätten vom HSV nur Positives gehört." Stress mit dem Training und unter Mitspielern könne immer vorkommen, aber das Gesamtpaket außerhalb des Spielfelds müsse stimmen. Auch ein Ruud van Nistelrooy hätte sich erkundigt, bevor er nach Hamburg gekommen sei. Und Paulo Guerrero hat auch den Weg zurück in seine fußballerische Heimat gefunden.

Marinus Bester, der vor seiner Tätigkeit als Teammanager zwei Jahre lang Pressesprecher des Klubs war, gehört zu den Menschen, die mit dem HSV-Gen auf die Welt gekommen sind. Das beweist auch die folgende Anekdote aus dem Jahr 1999: Bester, damals in Diensten des Regionalligisten Lüneburger SK, hatte nach seinem Treffer zum 1:0-Sieg im Spiel gegen die Amateure des FC St. Pauli das LSK-Trikot abgestreift. Drunter trug er ein Hemd mit der HSV-Raute. Die Anhänger des Kiezklubs wollten ihm an den Kragen, die Ordner waren überfordert. Konsequenz: Nach dem Spiel musste der Stürmer von sechs Polizisten nach Hause gebracht werden.

Auch seinen jetzt 15 Jahre alten Sohn Sebastian, der ebenso wie die zwölfjährige Janine aus der mittlerweile geschiedenen Ehe stammt, hat Bester auf Kurs gebracht: "Den Jungen habe ich umgepolt. Der war Bayern-Fan, ich habe ihm in vielen Gesprächen erklärt, warum der HSV besser ist. Jetzt hat er's kapiert", lautet ein älteres Zitat, "Stimmt", sagt Bester heute schmunzelnd dazu: "Das war damals wirklich so. Jemand hatte ihm ein Buch über Bayern geschenkt."

Mittlerweile hat der Filius damit begonnen, in die Fußstapfen seiner Vaters zu treten. Sebastian spielt in der U15 der Rothosen. "Das hat er sich ganz allein erarbeitet", sagt Marinus Bester, der damit alle Vorurteile, dass er seinen Sprössling in der Mannschaft untergebracht hat, weit von sich weist. Trainer der Nachwuchskicker ist übrigens auch ein alter Bekannter im Landkreis Harburg: Steffen Brauer, der als Spieler und Trainer für den TuS Fleestedt aktiv war. Tochter Janine macht ihrem Vater dagegen auf dem Einrad etwas vor.

Der HSV bestimmt schon seit langen Jahren das Leben von Marinus Bester: "Mit meinem Großvater war ich das erste Mal im alten Volksparkstadion auf der Südtribüne. Danach ging es mit den Freunden und Bekannten über die West- und die Ostkurve auf die Haupttribüne."

Und noch immer verbringt der 41-Jährige viel Zeit in der mittlerweile rundum modernisierten Arena im Volkspark. Die Punktspiele sind für ihn dabei so etwas wie Freizeit, da seine Schützlinge auf dem Rasen ihrer Arbeit nachgehen und er die Partien der Rothosen - wenn sie denn gewinnen - genießen kann. So ist das eben, wenn man seinen Traum lebt . . .