Was macht eigentlich?
Ferkel, Enkel und Waldarbeit
Franz Röhrs kann den Viehhandel nicht lassen Gerade ist er aus Ungarn zurück. Dorthin war er persönlich gefahren, um ein Geschäft einzufädeln. Junge dänische Zuchtsauen möchte er dem Kunden dort verkaufen.
Hanstedt. Gerade ist er aus Ungarn zurück. Dorthin war er persönlich gefahren, um ein Geschäft einzufädeln. Junge dänische Zuchtsauen möchte er dem Kunden dort verkaufen, erzählt Franz Röhrs, und die Frage, was er denn so macht, ist damit zu einem wesentlichen Teil schon beantwortet. Im Februar ist er65 Jahre alt geworden und damit jetzt eigentlich Rentner. "Das ist nicht auszuhalten", findet Röhrs, und deshalb hat der Ex-CDU-Landtagsabgeordnete, Ex-Vize-Landrat und Ex-Samtgemeindebürgermeister von Hanstedt seinen Hauptberuf, den Viehhandel, trotz Rente noch nicht ganz aufgegeben. Hauptsächlich auf Ferkel und Schweine in größeren Partien habe er sich spezialisiert, erzählt Röhrs. 800 bis 100 Tiere kauft er auf einen Schlag, vermittelt sie direkt von Betrieb zu Betrieb, über den eigenen Hof gehen die Tiere nicht mehr. "Der Viehhandel macht mir immer noch Spaß."
Mit sichtbarem innerem Abstand erinnert er sich heute an die turbulenten 90er-Jahre und das Ende seiner CDU-Karriere im Landtag. Für den vermeintlichen Schlachtviehskandal sei er nieverurteilt worden, betont Röhrs: "Ich habe eine weiße Weste." Und auch mit den extremen Rechten habe er nie etwas am Hut gehabt. Sein kurzer Ausflug zu den Republikanern sei eine reine Trotzreaktion auf die Vorverurteilung durch seine eigene Partei gewesen.
Heute fühle er sich als unpolitischer Mensch, beobachte das politische Geschehen nur noch ganz am Rande. "Die Politik fehlt mir nicht, ich mische mich nicht mehr ein." Das einzige Amt, das er noch bekleidet, ist das des Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft Hanstedt, und auch in der Interessengemeinschaft Hanstedt - einem Zusammenschluss von Bürgern, die alles machen, was zur Verschönerung des Ortes beiträgt - engagiert sich der frühere Bürgermeister noch. Donnerstags geht's zum Singen in den Nordheide-Chor, zu dem er nach seiner Zeit im Landtag vor 15 Jahren gestoßen war: "Dort findet man Entspannung und gute Freunde", sagt Röhrs. Ein Muss ist nach wie vor die jährliche Holzauktion, die er seit 35 Jahren mit drei anderen Landwirten der ehemaligen Hanstedter Interessentenforst am Silvestertag steigen lässt. Die Waldarbeit gehört heute zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, "auch wenn die Motorsäge von Jahr zu Jahr schwerer wird". Sein Kiefernwaldstück am Hanstedter Töps baut er gerade zu ökologisch wertvollem Mischwald um. Und bei sieben Enkeln, die ihm seine drei Kinder geschenkt haben, kommt auch sonst keine Langeweile auf.
Das einschneidendste Ereignis der vergangenen Jahre war der Brand, dem 2005 sein Haus bis auf die Mauern zum Opfer fiel. Anderthalb Jahre lang hat er es wiederaufgebaut. Heute lebt sein Sohn mit seiner Familie im Haupthaus, er selbst mit seiner Frau im ehemaligen Bullenstall, den er zum Wohnhaus mit schönem Blick auf die Wiesen im idyllischen Auetal ausgebaut hat.
Ein paar Ziele habe er aber noch, erzählt Röhrs. Vor ein paar Jahren war er schon mit dem Fahrrad nach Venedig gefahren. "Jetzt möchte ich irgendwann noch zu Fuß von Hanstedt auf die Zugspitze, das wollte ich schon immer. Oder mit dem Fahrrad nach Griechenland - auf den Spuren von Zeus und Odysseus."
