Was macht eigentlich?
Mehr als ein Castingstar
Fady Maalouf hat DSDS als Sprungbrett genutzt "Ich vermisse am meisten den Außenmühlenteich und meine Spaziergänge im Park", sagt Fady Maalouf. Vor einem halben Jahr ist der Sänger, der vor zwei Jahren durch DSDS bekannt geworden war.
Berlin/Harburg. "Ich vermisse am meisten den Außenmühlenteich und meine Spaziergänge im Park", sagt Fady Maalouf. Vor einem halben Jahr ist der Sänger, der vor zwei Jahren durch seine Teilnahme an der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" bekannt geworden war, von Wilstorf nach Berlin gezogen. Am 14. Mai wird der 30-Jährige, zu dessen Fangemeinde Männer und Frauen im Alter von 25 bis 85 gehören, in der Hamburger "Markthalle" auftreten.
Dass seine Band in Berlin beheimatet ist, war der Hauptgrund für Fadys Umzug. Bisher musste er mehrmals wöchentlich zu den Proben von der Elbe an die Spree reisen. Außerdem ist Fadys Großmutter Berlinerin, sein Vater wurde in der Hauptstadt geboren. "Hier liegt ein Teil meiner Wurzeln. Berlin ist gewissermaßen meine vierte Heimat neben Beirut, Bordeaux und Hamburg", sagt der gebürtige Libanese. Auch den dritten Grund für den Umzug gesteht er freimütig ein. Hamburger Radiosender hatten ihn als Künstler nicht wahrgenommen. Zu Radio Berlin und Brandenburg hat er dagegen schon erfolgreich Kontakte geknüpft.
Die weitgehende Ignoranz der Medien beruhe auf seinem Image als DSDS-Star, das ihm bis jetzt anhänge, obwohl er seine Stimme in den vergangenen Jahren noch erheblich weiter entwickelt habe, glaubt Fady. "Deutschland ist das einzige Land, das seine Castingstars nicht unterstützt, das ist schade."
Negative Kritik kann der sensible Künstler zwar vertragen, aber unberechtigte Schmähungen tun ihm weh. "Wenn jemand sagt, dass ihm meine Musik nicht gefällt, kann ich das akzeptieren. Wenn aber jemand behauptet, dass ich nicht singen kann, dann weiß ich, dass das nicht stimmt. Ich kann den Gegenbeweis live antreten." Zwei Stunden täglich probt der ausgebildete Sänger in seiner Wohnung - aus Rücksichtnahme nur dann, wenn die Nachbarn außer Haus sind. Fady ist sich bewusst, dass er polarisiert: "Entweder man hasst meine Musik oder man mag sie, dazwischen gibt es nichts. Aber das ist mir lieber als ein diplomatisches Konzept mit dem Ziel, jedermann zu gefallen." Was der orthodox erzogene Christ nicht nachvollziehen kann: Gerade in Berlin schlägt seiner androgynen Erscheinung oft offener Hass entgegen - insbesondere von männlichen Migranten. "Ich selbst bin nur der Intoleranz gegenüber intolerant", sagt der Mann, der fünf Sprachen spricht.
Dennoch sieht Fady positiv in die Zukunft. Gerade hat er sein zweites Album herausgebracht: "Into the Light". Der Titel ist Programm. Fady hat die Schatten der Vergangenheit weitgehend hinter sich gelassen und genießt sein neues Leben im Licht. Die Heilung der im Bürgerkrieg erlittenen Wunden manifestiert sich sowohl optisch - seine Narben hat er durch Laser entfernen lassen - als auch künstlerisch. Sechs der13 Songs stammen aus eigener Feder. Die Texte sind teilweise stark autobiografisch geprägt. "I still cry" beschreibt, wie die Kraft der Musik die verstörte Seele des kleinen Jungen rettete. Dennoch: Die neuen Balladen sind moderner und klingen weniger verträumt als die des ersten Albums "Blessed". Die stimmliche Bandbreite ist deutlich gewachsen. "Ich fühle mich wohl mit meinem Gesang. Ich bin reifer geworden", bekenntFady.
Der vielseitige Künstler hat auch das Album-Cover selbst entworfen. In seinen Händen hält er eine Lichtkugel, deren grüner Schein sich auf seinem Hals reflektiert. "Das bedeutet, dass ich den Menschen mit meinem Gesang die Hoffnung auf eine neue Dimension schenken möchte."
Fady liebt surrealistische und magische Traumwelten und malt selbst mit Ölfarben. Vorbild ist dem studierten Modedesigner dabei der exzentrische Stil von Salvador Dalí. Im Juli plant er in Berlin erstmals eine Ausstellung seiner Gemälde.
Am 20. April wird Fady seinen 31. Geburtstag feiern - zu Hause mit einem selbst gebackenen Kuchen. "Es wäre mir peinlich, viele Geschenke zu bekommen." Seine Popularität nutzt er lieber, um andere Menschen zu unterstützen. Fady ist Ehrenmitglied von "Blessed e.V.", einem von Freunden gegründeten Verein für humanitäre Hilfsprojekte.
"Ich weiß schließlich, wie man sich fühlt, wenn man verletzt ist. Wenn Fans mir zum Geburtstag eine Freude bereiten möchten, dann bitte mit einer Spende für Kriegsopfer und Kranke", sagt Fady, der kürzlich die Kinderkrebsstation Eppendorf besucht hat - bewusst, ohne die Medien zu informieren. Er möchte nicht in Verdacht geraten, sein Engagement gelte letztlich eigenen Werbezwecken. Fady Maalouf ist eben doch weit mehr als ein cleverer Castingstar.
