Was macht eigentlich?
Ja zum Schwulsein - Jein zur Institution Ehe
Homo-Partnerschaft: Kay von Horsten wieder solo: Er war einer der Ersten in Harburg. "Das war ja noch Neuland", erinnert sich Kay von Horsten.
Eißendorf. "Das war ja noch Neuland", erinnert sich Kay von Horsten: "Von manchen Menschen, denen ich damals erzählt hatte, dass ich heiraten will, hörte ich noch die Frage: ,Wie geht das denn?'" Denn Kay von Horsten betrat am26. Oktober 2001 mit seinem Partner Olaf Zimmer das Standesamt Harburg, der dieses als Olaf von Horsten verließ: Harburgs dritte "Mann-Mann-Hochzeit" und die erste, über die die HAN damals groß berichteten. Von Horstens Beispiel, eine Lebenspartnerschaft einzugehen, sind seitdem 2160 gleichgeschlechtliche Paare in ganz Hamburg gefolgt.
"Es gibt ja sehr provokant auftretende Schwule, die sich zum Beispiel übertrieben weiblich geben", erzählt von Horsten und verstellt dabei seine Stimme kurz so, wie es Komödianten tun, wenn sie Homosexuelle imitieren: "So einer bin ich aber nie gewesen." Egal ob bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die Hamburger Jugendfeuerwehr oder in seinem Beruf im Krankenhaus Reinbek: Immer wieder hätten ihm Bekannte und Kollegen nach einiger Zeit - "als sie es erfahren haben" (von Horsten) - verwundert gefragt: "Was? Du bist schwul? Ist mir gar nicht aufgefallen."
Von Horsten erfüllt zwar keine der gängigen Schwulen-Klischees - aber eines über Ehen. Und zwar, dass mit der festen Bindung die Liebe verschwindet. Denn bereits wenige Monate nach der Hochzeit ging die acht Jahre dauernde Beziehung zu dem neun Jahre älteren Olaf von Horsten - gebürtiger Zimmer - in die Brüche. Über die Details möchte Kay von Horsten heute nicht mehr reden: "Das ist Vergangenheit. Aber wir haben lange nur über unsere Anwälte miteinander geredet." Denn nicht nur die Rechte sind an die klassische Ehe angeglichen - zum Beispiel Erbfolge und ein gemeinsamer Name -, sondern auch die Pflichten im Fall einer Auflösung der Partnerschaft: "Wir mussten das Trennungsjahr einhalten und klären, wem was gehört - das volle Programm."
Zwei Jahre lebte er nach der Trennung in Wandsbek, bevor er aus treuer Verbundenheit zum Hamburger Süden zurück nach Eißendorf zog: Seitdem hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung von homosexuellen Paaren einiges in Hamburg bewegt. Dies auch dank des Lebenspartnerschaftsgesetzes, so von Horsten: "Es ist eine Form von Gleichstellung." Er empfinde die Möglichkeit, dass ein Mann vor einem Standesbeamten einem anderen Mann, den er liebt, das Jawort geben kann, "als offizielle Anerkennung", so der 38-Jährige: "Man muss sich nicht mehr verstecken."
Ob er noch einmal mit einem neuen Partner an seiner Seite diesen Schritt wagen will, weiß er noch nicht. Eigentlich sei er "mit dem Thema Heiraten durch", so von Horsten: "Aber man sollte niemals nie sagen."
