Was macht eigentlich?

Abneigung gegen Tomaten

Einige antike Möbel - dezent, nicht überladen. An den Wänden hängen Ölgemälde. So lebt Ernst Tanneberger in seiner Villa am Eißendorfer Pferdeweg.

Harburg. Einige antike Möbel - dezent, nicht überladen. An den Wänden hängen Ölgemälde. Der Tee wird in einer silbernen Kanne serviert. Im Rund des Wohnzimmers ein schwarzer Steinway-Flügel. So lebt Ernst Tanneberger in seiner Villa am Eißendorfer Pferdeweg. Klassisch, möchte man sagen. Und klassisch ist auch die Vita, die das mittlerweile 82-jährige ehemalige Vorstandsmitglied der Phoenix AG vorzuweisen hat.Der Ehrenvorsitzende des Wirtschaftsvereins Harburg-Wilhelmsburg hat viel zu erzählen. Und das geht am besten bei einer Zigarre. "Mit 20 Jahren habe ich das Zigarre-Rauchen angefangen. Fünf bis sechs Stück pro Tag waren es früher", bekennt er freimütig. Heute schaffe er aber nur noch eine oder zwei.Der Name Tanneberger steht in Harburg nicht nur für die Industrie, sondern auch für das Ehrenamt. Roswitha Tanneberger leitete 35 Jahre lang den Deutschen Evangelischen Frauenbund und baute das Marie-Kroos-Stift in Eißendorf mit auf. Und ihr Mann kann eine ganze Reihe von Ämtern und Aufgaben auflisten, denen er sich neben seiner beruflichen Laufbahn gewidmet hat.

Geboren in Göttingen, aufgewachsen in Köln, Abitur 1937, Arbeitsdienst, zwei Jahre Wehrmacht und dann statt des Starts ins zivile Leben der Kriegsbeginn. Das sind die ersten Stationen im Leben von Ernst Tanneberger. 1942 wurde er nach Afrika abkommandiert, diente als Chef einer Flak-Batterie und geriet im Mai 1943 auf Umwegen in amerikanische Gefangenschaft."Als Offiziere mussten wir nicht arbeiten, und wir bekamen im heißen Kansas Bier - so wollte es die Genfer Konvention. Das sah ich mir zwei Wochen lang an, dann haben wir im Lager unter Anleitung erfahrener Mitgefangener eine Akademie gegründet. Bis zum Mai 1945 habe ich so nach einem deutschen Lehrplan Jura studiert."Nach dem Kriegsende stand allerdings Arbeit auf dem Dienstplan. Tanneberger, der ein halbes Jahr vor seiner Gefangennahme geheiratet hatte, arbeitete in einer Konservenfabrik, füllte Mais und Tomaten ab. "Aus dieser Zeit ist meine tiefe Abneigung gegen Tomaten geblieben", sagt er.Am 18. Januar 1946 wurde Tanneberger entlassen. Wenig später stand er mit 20 Mark auf dem Bahnhof Göttingen. Dort fiel ihm plötzlich seine Frau um den Hals, die - "von einer inneren Stimme geleitet" - zum Bahnhof gekommen war.

Die "Studienjahre" wurden später als drei Semester anerkannt, 1947 "machte" Tanneberger "seinen Referendar". Zwei Jahre später folge der Doktor-Titel. 1951 wurde er Assessor. Albert Schäfer, damaliger Aufsichtsratsvorsitzender bei der Phoenix und Präses der Handelskammer Hamburg, holte Tanneberger nach Hamburg.Nach kurzem Intermezzo bei der Kammer startete der junge Jurist dann bei der Phoenix. Nach dem Gang durch die Fertigung und die kaufmännischen Abteilungen stand Karriere auf dem Plan - bereits nach vier Jahren saß Tanneberger im Vorstand, sieben Jahre lang war er stellvertretender Vorsitzender. 1997 ging er in Pension und in den Aufsichtsrat."Durch meine Tätigkeit, ich war unter anderem für öffentliche Beziehungen zuständig, kam ich in viele Ehrenämter", erinnert sich der Senior (drei Kinder, sieben Enkel). Im Wirtschaftsverein gründete er nach der Flut 1962 eine Poldergesellschaft, um die Betriebe an den Harburger Seehäfen zu sichern.

24 Jahre war Tanneberger Kirchenvorsteher - erst von St. Paulus, später von St. Petrus. Er saß im hannoverschen Kirchenbeirat, später im Rat der Nordelbischen Kirche, wurde mit der Bugenhagen-Medaille ausgezeichnet. Er ist seit mehr als 40 Jahren Rotarier - "von Herzen", wie er sagt. Und er liebt die Kultur. Bis heute hat er vier Abonnements - für Konzerte, Theater und die Oper. Die klassische Musik ist es, die ihn berührt und begeistert.1999 ist Ernst Tanneberger, der auch neun Jahre lang Vorsitzender der "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg" war, für seine Verdienste im Wirtschaftsverein mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Dabei spielte auch die Phoenix eine Rolle. Die jüngste Entwicklung rund um das Werk in Harburg tut ihm allerdings manchmal weh - beispielsweise der Verkauf der Hallen an der Moorstraße. Die Entwicklung Harburgs betrachtet er dennoch interessiert: "Harburg ist mir zur Heimat geworden. Und die Stadt hat sich gut entwickelt."(HAN, 18.12.2001)