Was blüht denn da?
Zu jeder Zeit präsent
Löwenzahn: Die von manchen Menschen als Unkraut verhasste Pflanze ist besonders widerstandsfähig
Sie gehört zu den ersten Blumen, die ihr hübsches Näschen der Frühjahrssonne entgegenstrecken und zu den letzten, die auch noch im Herbst den Sonnenschein zu genießen scheinen: Die knallgelben, fedrigen Löwenzahn-Blüten begleiten uns durch die ganze Vegetationsperiode. Die Pflanze, die anderenorts auch Gemeine Kuhblume oder - wegen ihrer vom Wind weit verbreiteten Samenstände - Pusteblume genannt wird, gehört in unseren Breitengraden zu den bekanntesten Wildblumen.
Mit ihren auffälligen Blüten ist sie nicht nur ein Augen-, sondern auch ein Gaumenschmaus. Denn der Löwenzahn gilt schon sehr lange als Star der Wildkräuterküche. Die Blüten lassen sich zum Beispiel zu Löwenzahnblüten-Gelee, -Sirup oder -Wein verarbeiten; die an Rauke (Rucola) erinnernden Blätter kann man wunderbar im Salat verwenden, sofern sie in zartem, frischem Zustand geerntet werden. Sogar die Blütenknospen lassen sich trickreich in der Küche einsetzen - in Butter geröstet auf Salat oder Suppe gestreut oder, in Essig eingelegt, als eine Art Kapern. Wer das versuchen möchte, sollte sich ein Buch über Wildkräuter-Gerichte zulegen. Er wird nicht nur Löwenzahn, sondern auch Brennnessel, Giersch und Gänsefingerkraut künftig mit anderen Augen sehen und sie nicht nur als Unkraut betrachten.
Auch in der Naturmedizin ist Löwenzahn gut bekannt. Ein Aufguss aus getrockneten Blättern wirkt zum Beispiel stark harntreibend. Deshalb gab ihm der Volksmund auch den Namen "Pisskraut". Löwenzahn regt außerdem den Verdauungsapparat an, wird deshalb - so nachzulesen im "Wichtl", dem pharmazeutischen Nachschlagewerk für Arzneipflanzen -, in der Volksheilkunde als sogenanntes Blutreinigungsmittel eingesetzt. Wer nun Löwenzahn bei seiner nächsten Frühjahrskur verwenden möchte, sollte sich an eine Apotheke wenden: Dort wird er entsprechend fach- und sachkundig beraten.
Vorsicht ist bei den Stängeln dieser Wildblume geboten - zumal, wenn Kinder in der Nähe sind: Der Milchsaft kann zu Hautreaktionen führen. Übrigens: In den Nachkriegsjahren wurden Löwenzahnblüten gern für Kinderfeste zu Blumenkränzen gebunden. Die trugen die Mädchen dann zu Perlon- und Nylonkleidern im Haar.
