Was blüht denn da?
Zaunwinde: Schön, aber hartnäckig
Wer einmal die Rankpflanze erst einmal in seinem Garten hat, der wird sie nicht mehr los
Mein Gartennachbar verflucht noch heute den Tag, an dem er die wilde Schönheit, die wir Ihnen heute vorstellen, eigenhändig in seinen neu erworbenen Garten aufnahm, weil er dem Charme ihrer schneeweißen Blüten und herzförmigen Blätter erlegen war. Im Sommer hatte er sie bei einem Spaziergang "in freier Wildbahn" entdeckt und war begeistert: Sie rankte sich mit üppigen Blüten um die Zäune einer Obstplantage im Alten Land. Vorsichtig riss er ein Stück Wurzel heraus und pflanzte es in seinen Garten, in der Hoffnung, dass das Pflänzchen dort im folgenden Jahr schön blühen würde.
Das Pflänzchen tat ihm den Gefallen. Es blühte nicht nur schön, es breitete sich auch mächtig aus - so mächtig, das er sich heute wünscht, es nie "eingeführt" zu haben. Denn bei der Schönheit, die er da am Wegesrand gefunden hatte, handelte es sich um die Zaunwinde, eine stark wuchernde Wildblume, der kaum beizukommen ist, wenn sie einmal Fuß gefasst hat. Das liegt an ihren weit kriechenden Wurzeln, mit deren Hilfe sie munter nicht nur Zäune, sondern auch Hecken, Sträucher und hohe Gräser erobert.
Betrachtet man ihre dünnen Stängel, fällt auf, dass sie sich grundsätzlich entgegen dem Uhrzeigersinn an ihrer selbst gewählten Stütze hochwinden. Ihre kleine Schwester, die durch kleinere rosa-weiß-farbene Blüten gekennzeichnete Ackerwinde, breitet sich dagegen eher am Boden aus. Wenn sie sich emporwindet, dann immer nur ein kurzes Stück und nie so hoch wie die Zaunwinde. Doch auch die Ackerwinde entwickelt ungeahnte Fertigkeiten: Ihre Stängelspitzen vermögen selbst geteerte Flächen zu durchbohren.
Beide Winden blühen von Juni bis Oktober. Während die Zaunwinde ihre Blüten zu jeder Tageszeit öffnet, ist die Ackerwinde zimperlicher. Ihre Blüten (meistens am äußeren Blütenrand rosa und innen weiß) öffnen sich morgens und schließen sich bereits am Nachmittag.
Übrigens: Mein Gartennachbar tröstet sich jetzt mit einem chinesischen Sprichwort: "Indem wir Blumen pflanzen, laden wir die Schmetterlinge ein." Seine Zaunwinde wird vornehmlich von Nachtschmetterlingen geschätzt.
