Was blüht denn da?
Anschauen ja, pflücken nein!
Nicht nur die Samen des Stechapfels sind giftig, sondern auch die Blätter und Wurzeln. Schon kleine Mengen können erhebliche Wirkung bis hin zur Atemlähmung entfalten.
"Das war einfach", teilte uns Detlef Gumz von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg mit, als wir den begeisterten Botaniker baten, die uns unbekannte Wildblume zu identifizieren, die wir heute vorstellen. Wir hatten sie zufällig auf einer Brachfläche im Buchholzer Ortsteil Steinbeck entdeckt und natürlich gleich die Kamera gezückt. "Das ist der Gemeine Stechapfel, Datura stramonium. Eine auf ruderalen Plätzen wachsende, eher seltene Pflanze", ergänzte der Fachmann.
Wir hatten sie noch nie gesehen und waren deshalb auch ganz stolz über unseren Fund, der laut Gumz übrigens eine Verwandte der bekannten Kübelpflanze Engelstrompete ist - auch eine Datura. Dass beide zur selben Familie gehören, ist an ihren Blüten zu erkennen. Sie sind nahezu identisch, nur sind die Blüten des auch noch im Oktober blühenden Stechapfels erheblich kleiner als die der Engelstrompete.
Der Name Stechapfel leitet sich von der Frucht dieser Pflanze ab. Sie sieht aus wie ein stacheliger kleiner grüner Zierapfel. Die weißen Blüten sind trichterförmig. Ihr süßlicher Wohlgeruch breitet sich - wie bei der Engelstrompete - erst in den Abend- und Nachtstunden aus. Ein weiterer Satz von Detlef Gumz hatte uns neugierig gemacht: "An den Samen soll man sich berauschen können." Stimmt. Wir haben im pharmazeutischen Nachschlagewerk "Witschel" nachgeschlagen. Demnach sind Stechapfelsamen als Rauschdroge bekannt.
Deshalb: Vorsicht! Nicht nur die Samen des Stechapfels sind giftig, sondern auch die Blätter und Wurzeln. Schon kleine Mengen können erhebliche Wirkung bis hin zur Atemlähmung entfalten. Da sich die Bestandteile des Stechapfels nicht genau dosieren ließen, wird die Pflanze heutzutage in der Medizin praktisch nicht mehr eingesetzt. Noch vor wenigen Jahren wurden getrocknete Blätter zum Beispiel als Räuchermittel bei Asthma bronchiale verwendet; sie wurden deshalb auch "Asthmazigaretten" genannt. 2005 wurde die dafür geltende Ausnahme von der Verschreibungspflicht allerdings aufgehoben. Unkontrollierter Konsum von Bestandteilen des Gemeinen Stechapfels kann zu erheblichen halluzinogenen Effekten führen. Deshalb sei an dieser Stelle ausdrücklich vor dem Gemeinen Stechapfel gewarnt. Anschauen und fotografieren: Ja. Pflücken oder gar in den Garten holen: Nein!
