Blumenserie
Schönheit mit heilender Wirkung
"Knochenkitter" wurde sie früher genannt. Denn der Pflanze mit den glöckchenähnlichen rosavioletten Blüten wurden heilende Eigenschaften bei Knochenbrüchen nachgesagt. Diesem Umstand hat sie auch ihren offiziellen deutschen Namen zu verdanken: Beinwell.
Da diese Wildblume in Harburg Stadt und Land nur vereinzelt anzutreffen ist, war es purer Zufall, überhaupt ein Exemplar zu finden. Das hätten wir zudem beinahe überfahren: Es blüht ausgerechnet am Rand eines unbefestigten Parkplatzes des Finkenwerder Kleingartengeländes unweit der Alten Süderelbe - für alle sichtbar und dennoch beinahe übersehen. Unser Beinwell blieb also heil - und das nicht nur wegen der auffälligen intensiven Farbe seiner Blüten, sondern auch wegen seiner stattlichen Größe von beinahe einem halben Meter. Klar, dass da ein Foto fällig war.
Der in Meckelfeld lebende pensionierte Harburger Bezirks-Gärtnermeister Horst Rondeck, dem früher unter anderem der Harburger Schulgarten auf dem Außenmühle-Gelände unterstand, identifizierte die unbekannte Schöne für uns: "Symphytum officinale - gewöhnlicher Beinwell", lüftete der gebürtige Ostpreuße das Geheimnis, nachdem er sich wenige Tage zuvor schon an dem "Distel-Rätsel" der HAN beteiligt hatte.
Die Wildblumenserie begeistere auch ihn als Gärtner: "Ich hole morgens schon in aller Frühe meine Zeitung aus dem Briefkasten und bin immer ganz gespannt, ob wieder eine Blume drin ist." Obwohl er vom Fach sei, könne er nicht alles wissen: "In der Serie erfahre ich oft etwas, was mir bis dato nicht bekannt war." Außerdem sei die Zuweisung einer Einzelpflanze zu einer bestimmten Art mitunter schwierig. "Man lernt in diesem Bereich nie aus", weiß Rondeck. Deshalb nehme er gelegentlich auch die mehr als 100 DIN-A-4-Blätter mit Wildpflanzen zur Hand, die er vor Jahren mal von einem Nachbarn geschenkt bekommen habe. Sie zeigten Abbildungen einzelner Pflanzen, die dann auf der Rückseite beschrieben würden.
Den Beinwell, anderenorts auch Komfrey genannt, erkannte er auf Anhieb: "Das ist eine bewährte alte Heilpflanze, die unter anderem bei Blutergüssen ihre Wirkung entfaltet." Zum Beweis holt er den Beipackzettel einer Salbe heraus, die eine Beinwell-Zubereitung enthält. "Die Kytta-Salbe mit Bestandteilen dieser Pflanze wird vor allem erfolgreich bei Gelenkbeschwerden eingesetzt", verrät Apothekerin Astrid Paasch aus Flensburg.
Beinwell hat sich nicht nur als Arzneipflanze bewährt. Sie macht auch in der Küche eine gute Figur: Junge Beinwellblätter können zum Beispiel im Salat verwendet werden.
