Habichtsdkraut
Der Name verrät’s: Die Pflanze stärkt die Sehkraft
Sie stammt, wenn man so will, aus einer schwierigen Familie. Da sie aber zweifellos die Schönste der Hieracium-Sippe ist, wollen wir sie der immer größer werdenden Anhänger-Schar unserer "wilden Schönheiten am Wegesrand" nicht vorenthalten: Bei der Wildblume, die wir heute vorstellen, handelt es sich um das Orangerote Habichtskraut.
Der wissenschaftliche Name dieser eigentlich in den Südalpen heimischen Pflanze lautet Hieracium aurantiacum. Wegen ihres ungewöhnlichen orangeroten Köpfchens und den fedrigen Blütenblättern ist sie vor vielen Jahren im Gebirge einem (oder auch mehreren - wer weiß?) unbekannten Pflanzenliebhaber(n) aufgefallen. Der (oder die) Unbekannte tat(en) etwas, was heutzutage in freier Natur meistens verboten ist: Er (oder sie) grub(en) eine Blume aus und nahm(en) sie mit für den heimischen Garten.
Vermutlich waren damals nicht nur einige dieser Wildblumen als Souvenir ausgeführt worden, sondern auch einige Steine, mit denen ihr eine Umgebung in Form eines Mini-Felsbiotops geboten wurde, wie sie es zuvor in den Südalpen hatte. Das Experiment gelang: Das Orangerote Habichtskraut fühlte sich wohl, breitete sich aus und etablierte sich mit den Jahren als bewährte und beliebte Steingarten-Pflanze.
Von dort aus zog es das Orangerote Habichtskraut hinaus in die Welt. Inzwischen ist es auch im Norden der Republik angekommen, zumindest rund um Hamburg kann man es ein ums andere Mal entdecken. Was den Standort betrifft, so ist es keineswegs allein in über 1500 Metern Höhe (Ursprung) oder in pseudo-felsiger Umgebung von Flachland-Steingärten zu finden: Wir entdeckten einige Exemplare in der Winsener Elbmarsch unweit der Einsatzleitzentrale der Feuerwehr.
Das Hieracium aurantiacum wird bis zu 40 Zentimeter groß. Es blüht im Juni, Juli und August. Auffällig sind die langen nackten Stängel, auf denen gleich mehrere Blütenköpfe sitzen. Rolf Müller entdeckte das Orangerote Habichtskraut für seine "Flora des Landkreises Harburg und angrenzender Gebiete" Anfang der 90er-Jahre in Rönneburg und Königsmoor. Wir fanden es nicht nur in Winsen, sondern auch noch in Finkenwerder.
Den Inhaltsstoffen des Orangeroten Habichtskrauts werden von der Volksheilkunde diverse Heilkräfte zugeschrieben, so - schon im Mittelalter - unter anderem die Stärkung der Sehkraft. Womöglich hat es daher seinen Namen: Wer es einnimmt, kann bald so gut sehen wie ein Habicht.
Deutlich häufiger sind übrigens die diversen gelben Verwandten des Orangeroten Habichtskrauts anzutreffen. Sie fallen zunächst einmal dadurch auf, dass alle fedrige Blüten haben, die mit ihrem intensiven Gelb stark an den Löwenzahn erinnern. Doch dann wird es schwierig, denn es gibt eine unendlich große Anzahl an Habichtskräutern: Gemeines, Gabeliges, Zottiges, Kleines, Doldiges, Florentiner, Stängelumfassendes, Behaartes und, und, und . . .
