Dost
Eine Pflanze für alle Sinne
Es ist eine Pflanze für alle Sinne: Das Auge erfreut sich an ihrer schönen Blüte, und wer ein Blatt zerreibt, dem steigt ein angenehmer Duft in die Nase. In diesen Tagen ist die auffällige Wildblume mit dem deutschen Namen Dost an verschiedenen Standorten zu finden - so zum Beispiel an einem Wanderweg entlang der Luhe auf der Strecke zwischen Bahndamm und Krankenhaus.
Ihre rosa-violetten Blüten sind dicht in Dolden angeordnet, die aus der Ferne wie einzelne Blüten wirken. Jeder Stängel trägt mehrere solcher Dolden, die meist dicht belagert sind: Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Fliegen geben sich auf den Blüten ein Stelldichein. Doch viele Menschen gehen acht- und ahnungslos an ihnen vorüber. Dabei verdient der Dost genaueres Hinsehen, Anfassen und Befassen.
Denn beim Dost handelt es sich um die Wildform eines Gewürzes, das jeder von der Pizza kennt: Oregano. Der lateinische Name des Gewöhnlichen beziehungsweise Wilden Dostes lautet denn auch Origanum vulgare. Er wird häufig auch als Wilder Majoran bezeichnet.
Die Pflanze wird unterschiedlich groß. Am Luhe-Wanderweg sind Exemplare zu finden, die fast einen Meter erreichen, während er an anderen Stellen gerade einmal auf 20, 30 Zentimeter kommt. Dort hat sich der Dost schmale Zwischenräume im Straßenbelag ausgesucht und steht trotz des begrenzten Raumes in voller Blüte. Er breitet sich obendrein noch keck auf jedem noch so kleinen Stückchen Erde aus, das sich ihm in der Nähe bietet.
Wer die Würzkraft des Wilden Oregano einmal ausprobieren möchte, sollte keine Pflanzen pflücken, die Auspuffgasen ausgesetzt sind, sondern lieber in freier Natur nach ihnen Ausschau halten: Da sich der Dost in den vergangenen Jahren dank des Ackerrandstreifenprogramms (Entschädigung für Landwirte, die die Ackerrandstreifen zugunsten von Wildpflanzen nicht bearbeiten) und des reduzierten Einsatzes von Unkrautvernichtungsmitteln ganz schön ausgebreitet hat, wird die Suche bestimmt Erfolg haben.
In der Küche können sowohl die Blätter als auch die Blüten (im Geschmack kräftiger) verwendet werden. Aber bitte nicht kochen! Dabei würden sie ihr verführerisches Aroma verlieren. Der Wilde Oregano kann frisch gepflückt verwendet werden oder auch getrocknet. In getrockneter Form lässt er sich zudem für einige Zeit aufheben. Dost ist übrigens nicht nur als Gewürz bekannt, sondern auch als Heilmittel. Er wird als Tee unter anderem bei Atemwegserkrankungen und Zahnschmerzen eingesetzt, weshalb ihn der Volksmund früher auch Zahnwehkraut nannte. Den Namen Dost soll diese Wildblume beziehungsweise dieses Wildkraut übrigens aus dem Mittelhochdeutschen haben. Denn "Dost" bedeutet Strauß: Wie ein Strauß sehen seine Blütendolden aus.
