Kreuzblättrige Wolfsmlich
Giftig, aber sehr schön
Es gibt sie mit dem Beinamen Gefleckt, Liegend, Klein, Süß, Mandelblättrig, Sichel-, Sonnenwend-, Zwerg-, Zypressen- und noch viel mehr. Auch Kreuzblättrig ist darunter: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) bilden eine große Familie.
Wir stellen heute die Letztgenannte vor, die Kreuzblättrige Wolfsmilch (Euphorbia lathyris), auf die uns ein Leser aus Francop aufmerksam gemacht hat. Er hatte die Wildpflanze in einem entfernten Winkel seines Gartens entdeckt und war sich ganz sicher, das ihm unbekannte Exemplar weder angepflanzt noch ausgesät zu haben.
Weil ihm im Frühjahr zunächst die langen schlanken Blätter gefielen, ließ er die Pflanze stehen - gespannt, was daraus noch werden würde. Die Unbekannte wuchs zu beachtlicher Größe heran und bildete zahlreiche kreuzförmig angeordnete Blätter aus, die sich nach oben hin verändern, deutlich kürzer werden und nicht mehr lanzettförmig schlank sind, sondern eine auffällige dreieckige Gestalt annehmen.
Auch die Blüten und der Samenstand dieser Pflanzenart fallen aus dem Rahmen und vervollkommnen die symmetrische Anordnung. Es sieht aus, als hätte eine klitzekleine gelbe Blüte zwischen zwei dreieckigen Blättern Platz genommen. Wo diese beiden Hochblätter aufeinandertreffen, bilden sich im Hochsommer dann die Fruchtstände aus. Die Samen stecken in attraktiv aussehenden Kapseln. Die Blütezeit der Kreuzblättrigen Wolfsmilch neigt sich in diesen Tagen dem Ende zu.
Wie die allermeisten Mitglieder der Wolfsmilchgewächse ist auch die Euphorbia lathyris giftig. Trotzdem ist sie schon vor Jahrhunderten in Gärten aufgenommen worden - ihrer schönen Wuchsform wegen. Schon der bekannte Naturwissenschaftler Carl von Linné (1707-1778) hat dieses Wolfsmilchgewächs detailliert beschrieben.
Wer es heutzutage in seinem Garten ansiedeln möchte, sollte davon Abstand nehmen, wenn kleine Kinder in der Umgebung leben, weil sie die Samenkapseln in den Mund stecken könnten. Krämpfe, Durchfall, Erbrechen und Schlimmeres könnten die Folgen sein. Die Pflanze sondert einen Milchsaft ab, mit dem in früherer Zeit Warzen und Hühneraugen bekämpft wurden.
Wem die Euphorbia als Heilmittel bekannt vorkommt, dem sei gesagt: Das ist nur zum Teil richtig. Es gibt tatsächlich ein Medikament dieses Namens. Es handelt sich um Nasentropfen, für die nach Auskunft von Apothekerin Astrid Paasch (Ratsapotheke Flensburg) allerdings ein anderes Mitglied der großen Euphorbia-Familie (mehr als 2000 Arten!), eine in Marokko heimische Art, verarbeitet wird.
Auch die Kreuzblättrige Wolfsmilch ist keine "Einheimische", obgleich sie hier schon sehr lange zu Hause ist. Sie ist eine Zuwanderin aus Asien, wurde zunächst als Zierde für Parks und Gärten nach Europa geholt und verwilderte dann. "Die Wirkung gegen Wühlmäuse, die ihr nachgesagt wird, soll in das Reich der Fabeln gehören", meint Detlef Gumz von der Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg in Winsen: "Hauptsache, man glaubt dran."
