Was blüht den da?

Intensive Farben locken

Durch ihre intensiv leuchtenden schwefelgelben Blüten fällt die heutige "Schönheit vom Wegesrand" jedem sofort auf. Bestimmt werden sie viele HAN-Leser schon gesehen haben. Ihr Name ist trotzdem vielen nicht geläufig: Echtes oder Gemeines Leinkraut. Botaniker nennen sie Linaria vulgaris.
Blumenserie

Ein leuchtender Hingucker: das Gemeine Leinkraut.

Vom Volksmund wird diese Wildblume auch als "(Kleines) Löwenmäulchen" bezeichnet. Die Pflanze mit den lanzettartigen sehr schmalen Blättern ist an vielen unterschiedlichen Stellen zu finden: an Wegrändern - wie unser "Fotomodell", das wir an der Friedhofstraße in Buchholz entdeckten, ebenso wie an Böschungen, Bahndämmen und Feldrändern und manchmal zwischen Pflastersteinen. Gelegentlich verirrt sie sich sogar in den Garten - allerdings nur dorthin, wo der Boden sandig, locker und alles andere als aufgeräumt ist. Sollte sie dort insgesamt also die gleichen Bedingungen vorfinden wie in "freier Wildbahn", könnte sie heimisch werden. Wenn sie dort auch bleiben soll, will sie allerdings in Ruhe gelassen werden.

Die lippenartigen Blüten des Leinkrauts sind zweifarbig. Hauptfarbe ist ein sehr helles Gelb, aufgelockert von einem dunkelgelben bis orangefarbenen Flecken am Schlund. Außerdem ist jede Blüte noch mit einem langen Sporn ausgestattet, in dem sich Nektar sammelt. Um an diesen heranzukommen, kriechen Insekten in die Blüte und bestäuben sie dabei.

Sollten kleine Löcher im Sporn der Leinkraut-Blüten zu sehen sein, sind diese ein Hinweis auf "Mundraub": Dann haben Hummeln der Wildblume einen Besuch abgestattet. Weil sie mit ihren zu kurzen Rüsseln nicht an den Nektar herangekommen sind und auch zu groß waren, um in die Blüte hineinzukriechen, haben sie in ihrem Heißhunger eben Löcher in den Sporn gebissen und sich auf diese Weise am Nektar bedient. Dem Leinkraut macht solche Schummelei wenig aus: Es vermehrt sich sowohl über Samen als auch über Wurzelausläufer.

In früheren Jahrhunderten wurde die Linaria vulgaris als Heilpflanze verwendet. Ihre oberirdischen Teile wurden zum Beispiel als Abführmittel eingesetzt. Auch in Salben gegen Venenentzündungen wurden Bestandteile dieser Wildpflanze verarbeitet. Heute findet sie nur noch selten Verwendung - zum Beispiel gegen Hämorrhoiden.

Ihren Namen hat sie übrigens einem gänzlich anderen Einsatzbereich früherer Jahrhunderte zu verdanken: Im Mittelalter wurde aus diesem Wildkraut ein Sud gebraut, der frischgewaschener Wäsche beigegeben wurde. Dabei erhielt das damals übliche Leintuch (Wäschestücke aus Leinen) den seinerzeit hochmodernen Gelbstich, der mit jeder folgenden Wäsche wieder aufgefrischt wurde. Aus dieser Zeit und wegen dieser Verwendung soll das Leinkraut seinen Namen haben.