Courage
Prestigeprojekt vor dem Aus
Kaum haben sie ihre Arbeit im gewünschten Maße aufgebaut, stehen sie schon wieder vor dem möglichen Ende: Die Mehrgenerationenhäuser, 2003 als Prestigeprojekt von Niedersachsens früherer Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) als zukunftsweisende Pfeiler des sozialen Miteinanders im demografischen Wandel propagiert und gefördert, stehen vor dem Aus.
Buchholz/Neu Wuilmstorf. Bund und Land, die den Aufbau der Zentren mit 40 000 Euro pro Jahr für jedes Haus landesweit angeschoben hatten, stellen die Förderung jetzt wieder ein. Auf eine Kleine Anfrage der SPD im Niedersächsischen Landtag habe die Landesregierung mitgeteilt, dass an eine Fortführung der Förderung nach Ablauf dieses Jahres nicht gedacht sei, bestätigt die Meckelfelder SPD-Landtagsabgeordnete Brigitte Somfleth: "Die Förderung jetzt einzustellen ist ein Unding."
Auch die beiden Mehrgenerationenhäuser im Landkreis, das "Kaleidoskop" in Buchholz und "Courage" in Neu Wulmstorf, trifft der Wegfall der Förderung ins Mark: "Wir sehen das langfristige Bestehen unserer Einrichtung gefährdet", sagt Constanze Hock-Warmuth vom "Courage"-Vorstand. In Buchholz endet die Förderung im Juni 2011, in Neu Wulmstorf Ende März 2012. Treffen werde das vor allem die, die es am meisten brauchen, weiß Hock-Warmuth: "Ein Großteil unserer Besucher, ob Senioren, Familien oder Kinder, zählen zur einkommensschwachen Bevölkerung". Zwar werde der Treff, der auch vorher schon mit Ehrenamtlichen betrieben wurde, weiter existieren, doch viele Angebote werde es ohne die finanzielle Unterstützung und die Hauptamtlichen nicht geben können, weiß Hock-Warmuth.
Auch Sigrid Spieker, Vorsitzende des Trägervereins "Kaleidoskop" in Buchholz, sieht eine wertvolle Arbeit gefährdet. "Wenn die Stadt das, was wir hier an Sozialarbeit leisten, selbst machen müsste, würde sie das viel teurer kommen", weiß sie. Gemeinsam wollen die 56 niedersächsischen Mehrgenerationenhäuser nun noch versuchen, bei Land und Bund darauf hinzuwirken, dass die Förderung doch noch weitergeht. "Einzige Gewinnerin der gesamten Aktion ist Frau von der Leyen", ärgert sich Somfleth: "Eine der vermutlich teuersten Imagekampagnen Niedersachsens zugunsten einer einzigen Person findet nun ihr Ende."
