Sietas
Sietas-Schiff: Holländer zahlen sogar mehr
Aufatmen bei Sietas: Nach zähen und langen Verhandlungen ist der Kaufvertrag für ein Windanlagen-Transport- und Installationsschiff auf der Neuenfelder Sietas-Werft nun beschlossene Sache. Der Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, aber Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann, Wirtschaftssenator Frank Horch, Peter Bundschoten, Technischer Direktor beim niederländischen Wasserbau-Konzern Van Oord, und Rüdiger Fuchs, Bevollmächtigter des Insolvenzverwalters, haben den Bauauftrag und die Option auf ein baugleiches zweites Schiff gestern erwartungsgemäß verkündet. Für die angeschlagene Werft heißt das: Die Arbeit ist bis etwa März 2013 gesichert.
Neuenfelde. Horch im Gespräch mit den HAN: "Unter den gegebenen Umständen ist das ein großer Erfolg, aber die Entwicklung muss nun verfestigt werden." Kurz: Die Werft ist erst gerettet, wenn sich ein Käufer oder Investor findet und wenn weitere Aufträge eingehen. Vor der Presse sprach Horch über die schwierige Situation im deutschen Schiffbau und über die Chancen, die die Energiewende bringt: "Wenn wir von der Energiewende sprechen, meinen wir einen Vorgang. Aber der Weg dorthin ist noch nicht konkret zu Ende gedacht. Hier bietet sich die große Chance für die Werften, denn Windparkbetreiber brauchen einen Service für ihre Schiffe, der küstennah abgerufen werden kann. Mit unserer Kompetenz in Hamburg kann es gelingen, aus der Sietas-Werft ein Offshore-Systemhaus zu machen."
Erste Errichterschiffe werden bereits in Fernost gebaut, aber laut Bundschoten lässt die Qualität zu wünschen übrig. Deshalb habe man sich in Europa umgeschaut und Sietas als Partner gefunden. Dass es trotz der Insolvenz zu einem Bauauftrag gekommen ist, wird allgemein als großer Vertrauensbeweis gewertet. Informationen, wonach der Preis des Schiffs gedrückt worden sein soll, erteilte Fuchs eine Absage: "Das Schiff wird sogar noch teurer als zunächst geplant." Dem Vernehmen nach bewegt sich der Kaufpreis im Bereich von 110 bis 120 Millionen Euro.
Als erste deutsche Werft wird Sietas nun ein sogenanntes "Jack-up Vessel" bauen, so der Spezialbegriff. Gelingt der Bau, will Van Oord ein zweites Schiff in Auftrag geben. Insgesamt bezifferte Bundschoten den Markt für solche Schiffe allerdings nur auf etwa 20 Stück. Das bedeutet: Neue Aufträge für andere Spezialschiffe müssen her - zum Beispiel Steinleger, Fähren oder Baggerschiffe. Laut Fuchs gibt es mittlerweile konkrete Anfragen nach Schiffskonstruktionen. Sietas will pro Jahr künftig ein Schiff selbst bauen, ein Schiffsdesign (Konstruktionsplanung) verkaufen.
Wie ebenfalls berichtet, finanziert Van Oord den Bau von "Aeolus", so wird das erste Schiff dieser Baureihe heißen, selbst. Das zweite Schiff sei dann Sache des neuen Eigentümers, so Brinkmann. Er und die anderen Verhandlungspartner hatten unübersehbar eine lange Nacht hinter sich. Den letzten Vertrag hatte Brinkmann gestern um 1.26 Uhr zur Durchsicht erhalten.
