Neonazis
Viele Gastwirte haben Angst
Rechtsradikale, die Ausländer brutal zusammenschlagen, die anders Denkende einschüchtern, die Gaststätten zerstören, weil deren Inhaber sie als Gäste ablehnen - solche Nachrichten kannten wir meist nur aus Orten in den neuen Bundesländern. Doch der braune Spuk ist längst Alltag auch im Landkreis Harburg. In Buchholz wurden jetzt offenbar Gastwirte massiv von Mitgliedern der rechten Szene unter Druck gesetzt.
Buchholz (cpa). Nach Informationen von Gaby Meyer (Friedensgruppe Nordheide) gab es "zahlreiche" Drohungen - mit Brandanschlägen, Gewalt gegen Menschen, mit Vandalismus. "Damit sollen Wirte abgeschreckt werden, in ihren Lokalen Veranstaltungen gegen rechte Gruppierungen zu ermöglichen", sagt Meyer.
Offen darüber sprechen aber mag keiner der betroffenen Gastwirte. Zu groß sei die Angst vor eingeschlagenen Scheiben, wie ein Restaurantbesitzer den HAN berichtete. Aktueller Anlass der rechten Aktivitäten ist eine geplante Lesung mit Andrea Röpke, Expertin für Rechtsextremismus. Diese Veranstaltung sollte nach den Wünschen der Friedensgruppe in der Buchholzer Stadtbücherei stattfinden. Auch, um den Wirten vorsorglich Ärger mit gewaltbereiten Neonazis zu ersparen - wie bereits 2010 in Buchholz geschehen: Bei einer Veranstaltung der Linkspartei hatten Polizisten Rechte gerade noch gehindert, den Veranstaltungsort zu stürmen.
Derweil beharrt die Stadt Buchholz auf ihrer Absage an die Friedensgruppe. Erster Stadtrat Jan-Hendrik Röhse sagte, er könne nicht danach entscheiden, ob er die politische Haltung eines Antragsstellers teile oder nicht. Die Stadt wolle nicht das Risiko eingehen, dass eine rechte Gruppe auf die Nutzung der Bücherei klagen könne.
Polizeisprecher Jan Krüger rät bedrohten Gastwirten, in jedem Fall die Polizei zu informieren: "Nur wenn solche Fälle aktenkundig werden, haben wir die Chance, solchen Leuten das Handwerk zu legen."
