Jürgen Ehlers
Spannung und präzise Recherche
Zwei Wochen Schreiburlaub: Damit beginnt für Jürgen Ehlers in der Regel die Arbeit an einem neuen Buch: "Das brauche ich, um die ersten 100 Seiten zu verfassen", sagt der in Hausbruch aufgewachsene Autor. Aber die Vor- und Nacharbeit rund um diesen textlichen Grundstock nimmt insgesamt ein Jahr in Anspruch.
Hausbruch/Heimfeld. Sowohl in die Recherche als auch in die sprachliche Präzision steckt Ehlers viel Arbeit. Das ist auch bei seinem vierten Krimi "In Deinem schönen Leibe" zu spüren. Das Finale der Geschichte um eine Serie von Kindermorden spielt in dem alten Bergwerk in Hausbruch. "Das kenne ich noch sehr gut aus meiner Jugend", sagt Ehlers, der lange Jahre im Hamburger Süden gewohnt hat, bevor er heiratete und mit seiner Frau in den Norden der Hansestadt zog. Die literarische Karriere des hauptberuflichen Beamten beim Geologischen Landesamt Hamburg beginnt mit Rückschlägen: "Ich habe meine ersten drei Romane an verschiedene Verlage geschickt und bekam die üblichen Absagen." Erst als er in die Krimi-Sparte wechselte und zunächst den Seitenumfang reduzierte, kam das erstes Erfolgserlebnis: Seine Kurzgeschichte "Flucht" wurde 1992 im Krimi-Jahresband des Heyne-Verlags veröffentlicht.
Nun könnte der Eindruck entstehen, dass sich der 62-Jährige mit seinen Kriminalgeschichten einen spannenden Gegenpol zum Beamtenleben aufbauen will. Weit gefehlt, wie Ehlers deutlich macht, denn die Tätigkeit beim Geologischen Landesamt und der Arbeit seiner Romanfigur, dem Kommissar Wilhelm Berger, haben "mehr Parallelen, als man gemeinhin denkt", so Ehlers: "In beidem geht es darum, Spuren zu lesen. Von den Gletschern der Eiszeit sind zum Beispiel in den Harburger Bergen nur noch die Spuren zu finden. Der Rest ist längst verschwunden."
Sein erster großer Kriminalroman "Mitgegangen" beginnt im Jahr 1929 und führt den Kommissar Wilhelm Berger ein. Sein zweites Buch "Neben dem Gleis" spielt 1959, und im Mittelpunkt steht nicht mehr Berger, sondern sein inzwischen erwachsener Sohn. "Die Nacht von Barmbeck" beleuchtete die frühen 1920er-Jahre, und die Ereignisse bei "In Deinem schönen Leibe" spielen kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Im Frühjahr erscheint sein nächster "historischer Thriller", wie der heute bei Büchen lebende Ehlers sagt: "Der spielt in Schottland, Mitte des 18. Jahrhunderts. Ich wollte einfach was anderes ausprobieren."
Aber wie die schwedischen Krimi-Größen Henning Mankell und Hakan Nesser auch, mit deren atmosphärischer Dichte Ehlers durchaus mithalten kann, bleibt er seinem Hauptkommissar treu. Die Lücke zwischen 1938 und 1959 will Ehlers in seinem nächsten Berger-Krimi schließen. "Er gibt natürlich schon einige Hinweise auf diese Zeit", sagt Ehlers, und mit "er" meint der 62-Jährige seinen Kommissar: "Aber diese Geschichte muss auch noch erzählt werden." Es sieht also aus, als würde demnächst wieder ein Urlaubsantrag im Geologischen Landesamt Hamburg eintrudeln: auf zwei Wochen Schreiburlaub.
