Kreistag

Ist dieser Politiker total gaga?

Erich Romann, erster und bisher einziger Pirat im neuen Harburger Kreistag, hat sich mit seinen Geldforderungen und eigenartigen Vorstellungen von der Kreistagsarbeit schon während der Koalitionsverhandlungen bei den anderen Parteien als ernst zu nehmender Partner diskreditiert. Jetzt outet sich der Pokerspieler als deutsch-nationaler Moslem und angeblicher Vater von zehn Kindern. "Veräppelt der uns?", fragen sich Kreispolitiker.
Erich Romann

Mit Bierflasche lässig in der konstituierenden Kreistagssitzung: Pirat Erich Romann.

Hittfeld.  Gestern 10 Uhr, Beginn der konstituierenden Kreistagssitzung in Hittfeld: Alle sind da, nur der Platz des Piraten, der angekündigt hatte, mit Hund und zwei Moslems im Schlepptau zur Sitzung zu kommen, bleibt leer. Auf Anruf von CDU-Fraktionschef Hans-Heinrich Aldag lässt sich der Neuling dann doch noch überzeugen, dass ein gewählter Volksvertreter zur Sitzung erscheinen sollte, auch wenn keiner eine Gruppe mit ihm eingehen will.

Gegen 13 Uhr dann der Auftritt des 39-Jährigen, der sein Geld nach eigener Auskunft als professioneller Pokerspieler in Hamburg und Berlin verdient: "Das Essen gibt’s doch kostenlos?", fragt Romann. Als die Sitzung weitergeht, sitzt der 37-Jährige betont lässig im Sitzungssaal, eine Bierflasche in der Hand. Seine Sitznachbarin, die Buchholzer FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bracht-Bendt, meint es gut mit dem Neuling, erklärt ihm, worum es gerade thematisch geht und dass er sich vielleicht besser nicht mit der Bierflasche ablichten lässt. Wenig später Romanns erste Wortmeldung vor dem 63-köpfigen Gremium. Als ihm Vorsitzender Norbert Böhlke das Wort erteilt, sagt er: "Ich wollte die Dame neben mir nur bitten, mich nicht dauernd anzusprechen."

Von den HAN am Rande der Sitzung zu seinem Bekenntnis befragt, er sei Islam-Konvertit mit deutsch-nationaler Einstellung, erzählt Romann, er habe zehn Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren, die er nicht sehen dürfe. Immer wieder sei er auf Heiratsschwindlerinnen hereingefallen, die sich von ihm hätten Kinder machen lassen und ihm diese dann entzogen hätten.

Vor zehn Jahren sei er unter anderem deshalb zum Islam konvertiert, erzählt Romann, der sich im Kreistag für den Bau einer Moschee in Buchholz einsetzen will. Das Christentum und der Zionismus seien matriarchalisch, "aber im Islam zählen Männer und Kinder noch was."

Mit CDU, SPD und Grünen, die mit dem Einzelkämpfer Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit geführt hatten, hat er es sich gründlich verscherzt. Auch sein Kreisverband hatte sich bereits von Romann distanziert, nachdem dieser von seiner deutsch-nationalen Einstellung und Romanns zunächst geplantem Zusammengang mit der CDU erfahren hatte. Jetzt aber habe er "die Meuterei dort behoben" und werde auch nicht aus der Partei ausgestoßen. Dafür hat er jetzt eine These, warum SPD und Grüne nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen: Er habe den Ex-Mann einer SPD-Kreistagsabgeordneten mal angezeigt, weil dieser ihn und andere Jugendliche früher in Buchholz sexuell missbraucht habe, behauptet er.

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Die Piraten

Bei der niedersächsischen Kommunalwahl im September hatte es die junge Partei der Piraten in den Kreistag geschafft. Auf Anhieb zogen die Neulinge 1,5 Prozent der Stimmen und damit einen Sitz im 63-köpfigen Kreistag. 4610 Bürger wählten die Piraten bei der Kreiswahl, votierten aber deutlich stärker für die Partei als für den unbekannten Kandidaten Erich Romann: Nur 255 Wähler gaben ihm ihre Stimme direkt. Auf Bundesebene werden die Piraten derzeit bei acht Prozent gehandelt.