Moorburg

Schaden hoch, Ursache unklar

Der in Japan entwickelte Super-Stahl T24 sollte das neue Wundermittel für die Kraftwerksbauer sein: Im Praxistest tauchten jedoch Risse auf, und auch fast ein Jahr danach rätselt die Branche über die genaue Ursache und die besten Maßnahmen, damit umzugehen. Und die Baukosten für das Kohlekraftwerk Moorburg steigen stetig.

Moorburg. Mehr Druck und mehr Hitze sollten mehr Energie pro Tonne Kohle bringen: "Die gesamte Branche ist von diesem angekündigten Wirkungssprung begeistert gewesen", sagt Burkhard Römhild, Leiter des von dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall gebauten Kraftwerks in Moorburg. Die Rohre, die entlang der Kesselwände laufen, wurden aus diesem Hightech-Stahl gefertigt: "Acht Kessel gibt es und achtmal tauchte das Problem auf", so Römhild. In Deutschland tauchten die Risse an den Schweißnähten erstmals in einem Kraftwerksneubau in Boxberg auf.

Rund 150 Millionen Euro ließen sich durch das Kraftwerk Moorburg pro Jahr erwirtschaften: Ohne konkrete Vergleichszahlen zu nennen sagte Römhild nur, dass dies weniger sei, "als wir uns einmal vorgenommen haben". Aber nicht nur die unter anderem auf die Energiewende (siehe Kasten) zurückzuführende gesunkene Rendite für das 2,6-Milliarden-Euro-Projekt schlägt zu Buche. Sondern auch die verspätete Inbetriebnahme 2013 statt 2012: Ein Jahr Umsatz fehlt, in dem die Baustelle ungebremst Betriebskosten verschlingt, plus neue Anwaltskosten: "Da kommen schon ein paar 100 Millionen Euro zusammen."

Nachdem die Probleme mit dem neuen Stahl Mitte April dieses Jahres bekannt geworden waren, hatte die Harburger Linkspartei einen Antrag mit dem Titel "Kraftwerk Moorburg - Schadensereignis und die Folgen" gestellt. Daraufhin war ein Besuch des Werksleiters im Harburger Wirtschaftsausschuss eingefädelt worden, bei dem er die immer noch bestehenden Probleme darstellte. Klaus Lübberstedt, Bezirksabgeordneter der Linken, zeigte sich überrascht darüber, dass auch Vattenfall noch immer nicht die detaillierten Ursachen für den Materialfehler finden konnte: "Nach einem Jahr streiten sich die Fachleute noch immer darüber. Sie sind ja noch keinen Schritt weiter." Diesen Zustand bezeichnete er als "unglaublich beunruhigend".

Römhild betont, es gehe durch den Materialfehler zurzeit keine Gefahr aus, "weder für die Bewohner noch für unsere Mitarbeiter." Einer der Gründe hierfür sei, dass die Leckagen in der Regel auf der Innenseite der Rohrleitungen auftauchen. Dann entweiche das heiße Wasser in den Kessel und nicht auf die andere Seite in den Kontrollgang: "Das ist in erster Linie ärgerlich für uns. Wir müssen den Kessel runterfahren, abkühlen lassen, nach dem Leck suchen, ausbessern und können dann erst wieder anfahren."

Davon ist man an der Süderelbe noch weit entfernt: "In Moorburg sind wir noch nicht angefahren", sagt Römhild. Das Unternehmen befinde sich gerade "bei der Vorbereitung der Druckprobe". Derzeit werden zwei Möglichkeiten überprüft, wie die Schwächen in den Schweißnähten ausgebessert werden können: durch das Auftragen einer zusätzlichen Schicht oder durch eine nachträgliche Hitzebehandlung. Welche sich für Moorburg durchsetzen wird, sei noch nicht abschließend entschieden. Römhild sicherte aber zu, dass alles dafür getan werde, damit das Kraftwerk möglichst rasch und möglichst sicher ans Netz gehen kann: "Glauben Sie uns: Wir haben selbst überhaupt kein Interesse daran, dass beim Betrieb ständig Probleme auftreten."

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Strompreise

Der Strompreis richtet sich per Gesetz jeweils nach dem Energielieferanten, dessen Rohstoff am teuersten ist. Die Staffelung reicht von Sonne und Wind (ohne Rohstoffkosten) über Kernenergie und Kohle bis zur derzeit teuersten Energiequelle Gas. Je mehr Solar- und Windkraftwerke entstehen, desto seltener ist es nötig, für die Energieversorgung in Deutschland auf die teuren Energiequellen zurückzugreifen. Folge: Der Preis, zu dem die Stromproduzenten ihre Ware an der Energiebörse EEX ("European Energy Exchange") verkaufen könnten, sinkt. Gestern lag die Megawattstunde dort bei 64,11 Euro: Das entspricht der Energie, die 500 Backöfen verbrauchen, wenn sie eine Stunde lang mit Volldampf laufen. www.eex.com Hier werden die aktuellen Handelsdaten angezeigt.