Parkour
Zum Sport auf die Straße
Sie nennen sich Traceure, ihre Disziplin heißt Parkour, und ihr Sportplatz ist die Stadt. Einer von ihnen heißt Norwin Stuffer. Der 23-jährige TU-Student leitet zwei Kurse, die in Kürze beim Harburger TB beginnen.
Harburg. Entstanden ist Parkour in den 1980er-Jahren in Frankreich. Ziel ist der kürzeste Weg zwischen zwei frei gewählten Punkten in einem Stadtgebiet. Mauern, Treppen, Geländer, Parkbänke: Hindernisse werden nicht umgangen, sondern überwunden. Stuffer: "Wichtig sind die fließenden Bewegungen, der sogenannte Flow. Es soll möglichst leicht aussehen." Erschöpfung soll dem Traceur (aus dem Französischen für "Der den Weg ebnet") nicht anzumerken sein.
Hinter einem guten Lauf steckt aber gezielte Vorbereitung. Vor allem die Grundtechniken sind wichtig. Und das ist auch einer der Gründe, warum sich der Student des Bauingenieurwesens beim HTB engagiert. "Anfänger sollen eine sichere Einführung bekommen." Es sei fatal, wenn sich die "Leute blindlings ins Abenteuer" stürzten.
Stuffer weiß, wovon er spricht: Vor einigen Jahren brach er sich den Fuß. "Rückblickend betrachtet, war zu großer Leichtsinn die Ursache." Genau davor will der 23-Jährige seine neuen Schützlinge bewahren. Sie sollen langsam anfangen, ein besseres Körpergefühl entwickeln. Wie lande ich sicher aus großen Höhen? Wie rolle ich mich richtig ab? In kleinen Schritten sollen sich die Teilnehmer an immer schwerer werdende Aufgaben herantasten. Wenn dann ein "Dash" (ein Sprung mit den Beinen voran, wobei sich der Traceur mit den Armen abstützt) oder ein "Lazy" (ein seitlich geschwungener Sprung) gelingt, "wächst das Selbstbewusstsein".
Eine klassische Trainerausbildung für Parkour gibt es nicht. Dafür ist der Sport zu frei, zu individuell. Was also macht einen guten Traceur aus? "Dazu wird man geboren", sagt Stuffer. "Die besten sind diejenigen, denen man als Kind gesagt hat: Kletter da nicht rauf! Von daher bin ich seit Kindesbeinen an dabei." Ernsthaft betreibt der Student, der Ende des Monats seine Bachelor-Arbeit abgeben wird, Parkour seit etwa drei Jahren. Zuvor hatte der begeisterte Läufer viel Kraftsport gemacht. Zudem war er Triathlet. Im Parkour habe er ein gutes Niveau erreicht, das ihn als Trainer qualifiziert.
Den harten Kern der Hamburger Traceure schätzt Stuffer auf gut 100 Sportler. Sie haben sich bei Facebook in Gruppen (Parkour Harburg) zusammengeschlossen. Dort werden Verabredungen zu gemeinsamen Läufen getroffen.
Nach dem Grundlagentraining in der Halle sollen Stuffers Schützlinge ihr Können auf der Straße beweisen. Ein geeignetes Gelände ist das Areal an der TU Harburg. Dort gibt es alles, was das Parkour-Herz begehrt. Wenn dort demnächst akrobatische Übungen zu sehen sind, dürften die Traceure des HTB dahinter stecken.
